Klima- und Naturschutz

Aus unserem Eckpunkteprogramm
  • Langfristige Förderung nachhaltiger Energieträger

  • Keine Pestizide auf öffentlichen Flächen

  • Förderung ökologischer Landwirtschaft & artgerechter Tierhaltung

  • Artenvielfalt und Biodiversität auf allen gemeindeeigenen Flächen fördern

  • Klimakonzept und jährliche Klimabilanz (Soll/Ist) für alle Einrichtungen der Gemeinde. Vorgaben der Gemeinde bei Ankauf, Neuerwerb

  • Kulturlandschaften (Auen, Bäume und Sträucher an Wegen, Streuobstwiesen, Blühflächen) pflegen

  • Gemeindeeigene Rasenflächen seltener Mähen, vor allem in sommerlichen Hitzeperioden

Programmentwurf

Naturschutz
- Naturalisierung Bäche , Flüsse und Auen
- Anlegen von Flutmulden
- Anlegen und Pflege von Hecken am Waldrand, vom Wald in die Kulturflächen und an den Feldsäumen

Christian G:
Hecken haben große Bedeutung! Sind nicht so anfällig gegen Trockenheit. Schützen insbesondere an Waldrändern die Rinde der Bäume vor direkter Sonneneinstrahlung. Nur wenig zurückschneiden. Heckenschnitt nicht verbrennen, mindestens aber vor dem verbrennen auseinanderziehen. Mehr Hecken anlegen.
Wir sollten in Ranstadt einen Umweltbeauftragten , der vorzugsweise in Zusammenarbeit mit im Umweltschutz aktiven Ehrenamtlichen & Naturschutzvereinen agiert.

- Erhalt und Pflege der Streuobstwiesen (Christian G.: Streuobstwiesen sind aktuell schon geschützt. Leider aber erst ab 10 Bäumen)

Siggi: Fördermassnahmen für den Erhalt der Streuobstwiesen (durch Bezuschussung für Neupflanzung)) einführen; Nicht geerntete bzw. überschüssige Erträge der Allgemeinheit (durch Kennzeichnung der Bäume) zur Verfügung stellen.

Christian (Kopie aus Meinungsäußerung Themenblock "Nachhaltige Gemeindeentwicklung"):
Bei Bauvorhaben sind Ökopunkte als Ausgleich problematisch. Es sollten wo immer möglich Ausgleichsflächen vor Ort den Vorzug erhalten. In entsprechender Größe und Qualität. Eine qualitativ hochwertige Ausgleichsfläche ist ökologisch höherwertig als eine agrarindustrielle Monokultur! Unbedingt nachhalten: werden die Ausgleichsmaßnahmen auch wirklich wie vereinbart realisiert? Negative Beispiele auch aus Ranstadt!

Landwirtschaft
- Anerkennung und Vergütung der bäuerlichen Umweltleistung
- Weitgehender Verzicht auf schädlichen Pflanzenschutz
- Förderung ökologische Landwirtschaft & artgerechte Tierhaltung

Forstwirtschaft
- Nachhaltige Waldwirtschaft
- Das Wasser im Wald halten
- Diversität der Baumpflanzungen

Landesgartenschau (sofern Oberhessen den Zuschlag bekommt)
wie kann diese
- ökologisch sinnvoll und
- zum Nutzen der Region
ausgestaltet werden?

Erneuerbare Energie fördern

Windkraft

Gibt es sinnvolle Flächen mit entsprechendem Ertrag hierfür im Gemeindebereich?
- hat die Gemeinde überhaupt nutzbare Flächen dafür?
- wenn nicht, wem gehören dann die Flächen? wer verdient?

Wie könnte zusätzlich zum Umwelteffekt die Gemeinde davon profitieren?
- Teil des Ertrages?
Achtung: Interessenskonflikt?!

Naturschutz beachten
- Gefahr für Vögel?
- irreversible Bodenverdichtung?
- Infraschall?
- Rodung von intakten Waldflächen?
- …

Solar / Voltaik
Wasserstoff als Energiespeicher - und träger
Blockheiz- kraftwerk?

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Meinungsbeiträge

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Hintergrund / Presse

Elektroautos werden Teil eines intelligenten Stromnetzes

In Japan ist man schon weiter: Elektroautos sind ein wichtiges Module im Katastrophenschutz. Wenn die Stromversorgung vorübergehend zusammenbricht, werden E-Fahrzeuge von Behörden und öffentlichen Institutionen dazu genutzt, um wichtige Versorgungseinrichtungen mit Strom zu versorgen. CHAdeMO heißt der entsprechende Anschluss, der es ermöglicht den im Akku der Fahrzeuge gespeicherten Strom über eine entsprechende Wallbox in das Netz eines Gebäudes einzuspeisen. Fahrenden Notstrom-Aggregaten sozusagen.

Volkswagen hat nun vergleichbares vor.
Mit seinen Fahrzeugen Typ ID will der Konzern eine „Brücke schlagen zwischen der Auto- und Energiewelt“ – und die Speicherkapazitäten der Fahrzeug-Akkus nutzen, um überschüssigen Grünstrom zu puffern, wenn das Netz diesen nicht mehr aufnehmen kann.

Elke Temme, ehemalige Innogy-Managerin und nun bei Volkswagen für den neuen Geschäftsbereich Laden & Energie verantwortlich, stellte kürzlich auf einem Presseworkshop von VW das Konzept vor: Das E-Auto soll als Stromspeicher genutzt werden, quasi wie eine „mobile Powerbank“.

Volkswagen hat bereits über 100.000 Elektroautos der verschiedenen ID-Baureihen auf der Straße, viele mit Akkus, die 77 Kilowattstunden (kWh) Strom speichern können. Temme: „Damit haben wir gigantische Speicherkapazitäten.“ Das Problem bisher: der Strom fließt nur in eine Richtung: Aus dem Netz in das Fahrzeug. Eine Rückeinspeisung ins Netz ist bislang nicht möglich. Die Autos selbst waren dazu nicht in der Lage. Aber auch die meisten Wallboxen sind nicht dafür ausgelegt.
Volkswagen will das bi-direktionale Laden aber bald ermöglichen:
Mit der neuen Version der Betriebssoftware VW OS.3 werden ID-Fahrzeuge mit der 77 kWh fassenden Batterie schon demnächst in der Lage sein, nicht benötigten Strom ins Hausnetz einzuspeisen.
Und wenn die notwendigen gesetzlichen Regelungen dafür getroffen sind, sollen die IDs Strom auch ins öffentliche Netz rückspeisen und damit zur Stabilisierung des Netzes insgesamt beitragen können.
Bereits ausgelieferte Elektroautos werden diese Fähigkeit über ein „over the air“-Update ebenfalls erhalten – nur zu einem späteren Zeitpunkt und sukzessive.

Neue Wallbox erforderlich

VW ID.Charger für das bidirektionale Laden (Bild: VW)

VW ID.Charger für das bidirektionale Laden (Bild: VW)

Um den neuen Service nutzen zu können, ist auch eine neue Wallbox erforderlich, die die Technik beherrscht. Sie muss die Einspeisung von Gleichstrom (DC) mit bis zu 22 kW verkraftet. Diese wird erst im Laufe des kommenden Jahres verfügbar sein. Zu welchem Preis, steht noch nicht fest.

Weitere Info:

https://www.volkswagen-newsroom.com/de/volkswagen-group-components-werk-braunschweig-6741

https://www.amperio.eu/2021/09/iso-15118-und-plug-charge-die-zukunft-des-e-auto-ladens/

Grenzwerte für Schadstoffe werden von WHO erhöht

Schlechte Luft belastet die Gesundheit stärker als lange angenommen. Die bestehenden Grenzwerte für Schadstoffbelastungen sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) deshalb zu lasch. Sie hat nun ihre Richtwerte für die maximale Belastung deutlich verschärft. Das betrifft insbesondere Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2). Die WHO passt die Richtwerte erstmals seit 2005 an, da Studien gezeigt haben, wie stark die Gesundheit unter Luftverschmutzung leidet. Eine Überschreitung der neuen Grenzwerte sei mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden. Jedes Jahr sterben nach WHO-Schätzungen weltweit sieben Millionen Menschen frühzeitig infolge von Luftverschmutzung. Die Belastung mit Stickstoffdioxid, welches in Ballungsräumen vor allem aus Diesel-Autos kommt, soll statt wie bisher höchstens 40 nur noch zehn Mikrogramm pro Kubikmeter betragen. Die EU erlaubt zurzeit 40. Aber selbst die 40er-Grenze wurde in Deutschland 2019 noch verletzt. Bei Feinstaub liegen die EU-Richtwerte klar höher als die WHO-Empfehlungen von 2005. Der EU-Grenzwert für Feinstaub mit Partikelgröße 2,5 Mikrometer liegt bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die WHO empfiehlt nun fünf Mikrogramm.

Die Flutkatastrophe hat für viel Leid gesorgt.

Daher wird nun viel über bessere Schutzmaßnahmen und die Ursachen diskutiert. Viele Fachleute betonen das Extremwetter bedingt durch den Klimawandel mittlerweile öfter zu beobachten sind.

Ein schnelleres umsteuern in Erneuerbare ist zwingend erforderlich. Das wurde auch vom Verfassungsgericht in seinem Urteil vom März diesen Jahres hervorgerufen und findet mittlerweile Eingang in die Programme (fast) aller Parteien, auch wenn es an tatsächlichem Handlungswillen noch mangelt.
Die Windkraft spielt bei den Erneuerbaren eine wichtige Rolle. Ein weitere zügiger Ausbau ist unumgänglich.
Natürlich sind ausreichende Abstände zu Siedlungen, Natur- und Umweltschutzaspekte zu beachten.

Der AfD-Politiker Stephan Brandner lebt offensichtlich in einer alternativen Welt mit alternativen Wahrheiten.

In einem Interview sagte er, allein in Deutschland gebe es 25.000 bis 30.000 Windräder - und weltweit wahrscheinlich Hunderttausende. Und die würden "natürlich auch die Energie aus dem Wind rausnehmen", so Brandner.

Das habe wohl auch Auswirkungen auf das Wetter. "Ich will jetzt nicht sagen, dass Windräder schuld an dem Hochwasser sind", so Brandner, aber das Klima sei ein komplexes System und wenn man an einer Stelle etwas ändere, könne sich woanders etwas ändern.

Dazu äußert Toralf Staud, Redakteur beim Wissenschaftsportal klimafakten.de, es sei "vollkommen abstrus, wenn hier suggeriert wird, die Abschwächung des Jetstreams könnte vielleicht etwas mit dem Aufstellen von Windrädern zu tun haben".

Das "wahre Mikrogramm" in den Behauptungen sei, dass Windkraftanlagen etwas an Energie aus der Atmosphäre entnehmen, so Staud: "Lokal und sehr begrenzt kann das tatsächlich kleine Veränderungen beim Wind zur Folge haben - dazu gibt es schon etliche Forschungsarbeiten.

Aber der Jetstream ist ein Starkwindband, das in etwa 15 Kilometern Höhe und bis zu 500 km/h schnell um den Nordpol rast - es ist kompletter Humbug, dass bodennahe Windräder einen Einfluss darauf haben könnten."

In Ortenberg sehen wir ähnlich Stilbüten. Sowohl Bürgerinitiativen als auch Bürgermeisterin und verschiedene Parteien behaupten Windkraft vergrößere die Gefahr durch Hochwasser.

Diese Behauptung ist vollkommen aus der Luft gegriffen. Es gibt keine ernsthaften wissenschaftlichen Studien, die einen Hinweis darauf geben.

Auch der gesunde Menschenverstand spricht dagegen.

Die angeführte Flächenversiegelung ist relativ gesehen minimal.

Die Fundamentfläche moderner Anlagen der 3-MW-Klasse liegt bei ca. 300-500 m², die größten derzeit errichteten Windkraftanlagen liegen bei einer Leistung von 7,6 MW bei einer Fundamentfläche von etwa 600 m².

Während an manchen Standorten keine zusätzlichen Wege eingerichtet werden müssen, kann an andern Standorten eine Flächeninanspruchnahme von etwa 0,3 bis 0,4 ha für den Bau schwerlastgeeigneter Zufahrten angesetzt werden.

Die nach der Errichtung der Windenergieanlagen zurückzubauenden Lager- und Vormontageflächen benötigen teilweise nochmals ca. 0,2 ha.

Der Anteil der Windenergie an der Flächenversiegelung beträgt lediglich 0,3 bis 0,6 Prozent, wie das Bundesumweltministerium aktuell mitteilte.

Die derzeitige Inanspruchnahme von land- und forstwirtschaftlichen Bodenflächen werden deutschlandweit auf etwa 100 km2 geschätzt werden. Zum Vergleich lag z.B. laut Wikipedia der Flächenverbrauch der deutschen Braunkohletagebauten (ohne Kraftwerke) bei ca. 2.300 km², wobei 2011 der Anteil der Braunkohle am deutschen Stromverbrauch etwa bei dem Dreifachen der Windstromerzeugung lag (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Windenergie)

In Ranstadt ist noch eine Vorrangfläche für Windkraft in der aktuellen Planung: eine kleine ca. 10 ha großes Freilandfläche oberhalb von Dauerheim in Nähe der A45.

Sehr interessantes Positionspapier der Leopoldina zum Klimaschutz

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, kurz auch (Academia) Leopoldina, ist die älteste naturwissenschaftlich-medizinische Gelehrtengesellschaft im deutschsprachigen Raum und die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt.

Ganz frisch aus dem Juni 2021 ist ihr hochaktuelles und interessantes Positionspapier

"Klimaneutralität - Optionen für eine ambitionierte Weichenstellung und Umsetzung"

Die Akademie ist unabhängig und dem Gemeinwohl verpflichtet. Idee bei der Gründung war die Schaffung einer legitimierten Institution, die unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen wichtige gesellschaftliche Zukunftsthemen wissenschaftlich bearbeitet, die Ergebnisse der Politik und der Öffentlichkeit vermittelt und diese Themen national wie international vertritt.

Finanziert wird die Einrichtung heute zu 80 Prozent durch den Bund und zu 20 Prozent durch das Land Sachsen-Anhalt.

48 Seiten als PDF gibt es hier.

Hessen überdenkt Tötungsverbot Wie passen Windenergie und Artenschutz zusammen?

21.05.21 / hessenschau.de

An Windrädern kommt es immer wieder zu Kollisionen mit bedrohten Vogelarten. Erneuerbare Energien und Artenschutz sind zwei "grüne Themen" im Konflikt. Hier könnte die Regierung nun neue Wege gehen.

Von Rebekka Dieckmann und Anja Engelke

Es ist ein Dilemma: Der Klimawandel gefährdet die Artenvielfalt, deshalb ist der Ausbau von erneuerbaren Energien für den Erhalt bedrohter Tierarten unabdingbar. Gleichzeitig wird der Lebensraum von bedrohten Vögeln wie dem Schwarzstorch oder Rotmilan und einigen Fledermausarten durch Windkraftanlagen potenziell gefährdet: Die Tiere können mit Rotorblättern kollidieren oder werden von den Anlagen vertrieben.

Der Ausbau der Windenergie in Hessen stockt derweilen seit Jahren. Von Januar bis Mai wurden in Hessen gerade einmal drei neue Windräder in Betrieb genommen, 2020 waren es insgesamt 27. Im Jahr 2019 hatte der Ausbau mit lediglich vier Windrädern einen absoluten Tiefpunkt erreicht.

Der Platz für die Räder ist rar und damit auch der Rahmen für konfliktfreie Bauvorhaben. Planungen müssen deshalb auf Eis gelegt werden, oder Anlagen werden im Bau noch gestoppt. Denn: Das Bundesnaturschutzgesetz sieht ein Tötungsverbot vor. Das heißt: Es darf keine Anlage gebaut worden, wenn dadurch Tiere wissentlich gefährdet werden - und das kann auch in ausgewiesenen Windvorrangflächen der Fall sein.

"Windenergie und Artenschutz schließen sich nicht aus"

Dem Dilemma von Windkraft und Artenschutz will sich nun die Landesregierung annehmen. Sie kündigte am Freitag in Wiesbaden an, dass man den Lebensraum von windenergiesensiblen Vogel- und Fledermausarten stärker schützen wolle. Mit einem Gutachten werde das Land Schutzräume festlegen, die sich in ausreichend großem Abstand zu Windparks befinden, kündigten Umweltministerin Priska Hinz und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (beide Grüne) an.

"Windenergie und Artenschutz schließen sich nicht aus", sagte Hinz. Die Windenergie sei ein zentraler Baustein der Energiewende und damit der Bekämpfung der Klimakrise. Das Land Hessen sieht zwei Prozent aller Landesflächen für Windenergievorranggebiete vor. Außerhalb dieser Gebiete sollen die Schutzflächen für Schwarzstorch, Rotmilan und Fledermäuse nun doppelt so groß sein, also etwa 80.000 Hektar.

In den Regierungsbezirken Kassel, Gießen und Darmstadt sollen dazu je drei große Schutzgebiete entstehen. "Und zwar dort, wo es bereits viele von ihrer Art gibt", so Al-Wazir. Die Schutzgebiete sehen zum Beispiel vor, dass die Nistbäume von Störchen mit Manschetten versehen werden, die Waschbären abhalten sollen.

Darf man den Tod einzelner Tiere in Kauf nehmen?

Die Schutzmaßnahmen beziehen sich jedoch auf Bereiche außerhalb der Windvorranggebiete. Doch was passiert mit den Tieren, die genau dort nisten, wo gebaut werden soll? Erst Anfang des Jahres kündigte die Landesregierung an, den Mindestabstand der Windräder zu Rotmilan-Horsten von den bundesweit empfohlenen 1.500 auf 1.000 Meter verringern zu wollen. Die große Frage, die dabei im Raum steht: Darf man den Tod eines einzelnen Rotmilans oder Schwarzstorchs durch ein Windrad wissentlich in Kauf nehmen, um die Energiewende voranzutreiben?

Al-Wazir und Hinz erklärten: Statt auf jedes Tier zu schauen, gehe es der Landresregierung darum, die Lebensbedingungen der Population insgesamt zu verbessern. Bei der Vorstellung des Landesprogramms sprach auch der Nabu-Landesvorsitzende Gerhard Eppler davon, dass unter bestimmten Vorraussetzungen Ausnahmen vom Tötungsverbot möglich seien. "In extrem seltenen Fällen." Voraussetzung sei etwa, dass durch den Klimawandel ein übergeordnetes öffentliche Interesse an erneuerbaren Energien bestehe und dass es für den Erhalt der Art Ausgleichsmaßnahmen gebe, wie etwa dieses Programm.

Hier zeigt sich ein Paradigmenwechsel: Naturschutzverbände wie der Nabu hatten in der Vergangenheit bei dieser Frage immer wieder das absolute Tötungsverbot von bedrohten Tierarten eingefordert und selbst oft gegen Windkraftanlagen geklagt.

Gerichte stoppen Anlagenbau

Wie sich das in der Praxis umsetzen lässt und mit der bundesweiten Rechtssprechung und EU-Richtlinien vertragen wird, muss sich noch zeigen. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die weiterhin für das absolute Tötungsverbot ist, klagte erst im Januar mit Erfolg. Der VGH in Kassel stoppte den Bau von Windrädern bei Trendelburg (Kassel), weil das Gericht den bundesweiten Mindestabstand von 1.500 Meter zum Rotmilanhorst für notwendig hielt.

Auch das Verwaltungsgericht Gießen verhängte vor wenigen Tagen einen vorläufigen Baustopp für zwei Anlagen bei Blasbach (Lahn-Dill). Das Revier eines Wespenbussard-Paares sei nur 950 Meter entfernt, die Begründungen für die Ausnahme vom vorgeschriebenen Mindestabstand ließ das Gericht nicht gelten.

Die Gründe für den langsam voranschreitenden Ausbau der Windenergie sind vielfältig. Neben den Artenschutz-Konflikten wehren sich auch immer wieder Anwohnerinnen und Anwohner gegen geplante Projekte. Auch Bürgerinnen und Bürger aus Trendelburg hatten Unterschriften gesammelt, um den Windpark Reinhardswald mit bis zu 20 geplanten Windrädern zu verhindern. Auch im Rheingau, Odenwald und Waldeck-Frankenberg regt sich immer wieder Widerstand.

Außerdem seien die finanziellen Anreize für die Betreiber von Windkraftanlagen gesunken, bemängeln beispielsweise die Deutsche Umwelthilfe und die Bundes-Grünen. Seit einer Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aus dem Jahr 2017 werden Windanlagen ab einer Leistung von 750 Kilowatt bundesweit ausgeschrieben. Den Zuschlag erhält das niedrigste Gebot. Kleinere Anbieter werden dadurch verdrängt.

Gesetzgeber muss nachbessern Klimaschutzgesetz in Teilen verfassungswidrig

Donnerstag, 29. April 2021
Quelle: ntv.de, ses/dpa

Auch in Corona-Zeiten demonstrieren die Aktivisten von Fridays for Future für den Klimaschutz - aber pandemiekonform nicht mehr zu Tausenden. Nun hat das oberste deutsche Gericht eine Entscheidung gefällt, die ihnen den Rücken stärkt und den Gesetzgeber zum Nachbessern zwingt.

Die Politik muss beim Klimaschutz nachbessern, um die Freiheitsrechte künftiger Generationen zu schützen. Das Bundes-Klimaschutzgesetz greife zu kurz, urteilte das Bundesverfassungsgericht. Die Karlsruher Richter verpflichteten den Gesetzgeber, bis Ende kommenden Jahres die Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen für die Zeit nach 2030 näher zu regeln. Verfassungsbeschwerden mehrerer Klimaschützer waren damit zum Teil erfolgreich.

Die teils noch sehr jungen Beschwerdeführenden seien durch Regelungen in dem Gesetz in ihren Freiheitsrechten verletzt, erklärten die Richter. "Die Vorschriften verschieben hohe Emissionsminderungslasten unumkehrbar auf Zeiträume nach 2030." Wenn das CO2-Budget schon bis zum Jahr 2030 umfangreich verbraucht werde, verschärfe dies das Risiko "schwerwiegender Freiheitseinbußen", weil die Zeitspanne für technische und soziale Entwicklungen knapper werde.

Einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur wie geplant auf deutlich unter 2 Grad und möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, sei dann nur mit immer dringenderen und kurzfristigeren Maßnahmen machbar. "Von diesen künftigen Emissionsminderungspflichten ist praktisch jegliche Freiheit potenziell betroffen, weil noch nahezu alle Bereiche menschlichen Lebens mit der Emission von Treibhausgasen verbunden und damit nach 2030 von drastischen Einschränkungen bedroht sind", heißt es in der Erklärung des obersten deutschen Gerichts.

Zur Wahrung grundrechtlich gesicherter Freiheit hätte der Gesetzgeber Vorkehrungen treffen müssen, "um diese hohen Lasten abzumildern". Von "Vorkehrungen zur Gewährleistung eines freiheitsschonenden Übergangs in die Klimaneutralität" ist die Rede. Daran fehle es bislang. In Artikel 20a des Grundgesetzes heißt es: "Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung." Hierauf bezieht sich das Gericht.

Es dürfe nicht einer Generation zugestanden werden, "unter vergleichsweise milder Reduktionslast große Teile des CO2-Budgets zu verbrauchen, wenn damit zugleich den nachfolgenden Generationen eine radikale Reduktionslast überlassen und deren Leben umfassenden Freiheitseinbußen ausgesetzt würde". Künftig könnten selbst gravierende Freiheitseinbußen zum Schutz des Klimas verhältnismäßig und verfassungsrechtlich gerechtfertigt sein, erläuterten die Richter.

Zwar müssten die Grundrechte abgewogen werden. Aber: "Dabei nimmt das relative Gewicht des Klimaschutzgebots in der Abwägung bei fortschreitendem Klimawandel weiter zu." Mit den natürlichen Lebensgrundlagen müsse sorgsam umgegangen werden, mahnten die Richter. Und sie müssten der Nachwelt in einem Zustand hinterlassen werden, "dass nachfolgende Generationen diese nicht nur um den Preis radikaler eigener Enthaltsamkeit weiter bewahren könnten".

Knapp ein Dutzend Klimaaktivisten von Fridays for Future demonstrierten am Donnerstagmorgen vor dem Gericht. Sie hatten Plakate dabei, auf denen unter anderem zu lesen war: "Hört auf die Wissenschaft! Klimaschutz jetzt!" Mehrere an den Klagen beteiligte Verbände hatten für den Vormittag eine Pressekonferenz angekündigt.

Bundestag und Bundesrat hatten Ende 2019 dem Klimapaket der Bundesregierung zugestimmt, nachdem Bund und Länder noch Kompromisse ausgehandelt hatten. Wesentlicher Punkt ist das Klimaschutzgesetz. Es legt für einzelne Bereiche wie Verkehr, Landwirtschaft oder Gebäude fest, wie viel Treibhausgase sie in welchem Jahr ausstoßen dürfen. "Zweck dieses Gesetzes ist es, die Erfüllung der nationalen Klimaschutzziele sowie die Einhaltung der europäischen Zielvorgaben zu gewährleisten", heißt es dazu vom Bundesumweltministerium.

Nach dem Pariser Klimaabkommen - das die Grundlage des deutschen Gesetzes bildet - soll der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 Grad und möglichst auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden, um Folgen des Klimawandels so gering wie möglich zu halten. Das Verfassungsgericht fordert nun, frühzeitig transparente Maßgaben für die weitere Ausgestaltung der Treibhausgasreduktion. Damit verbinden die Richter Entwicklungsdruck und Planungssicherheit.

Verfassungsrechtlich unerlässlich sei dafür zum einen, dass weitere Reduktionsmaßgaben rechtzeitig über das Jahr 2030 hinaus und zugleich hinreichend weit in die Zukunft hinein festgelegt werden. Zum anderen müssten zwecks konkreter Orientierung weitere Jahresemissionsmengen und Reduktionsmaßgaben differenziert festgelegt werden

Erstmals pro Tag mehr als 40 Gigawatt Solarstrom in Deutschland

27. April 2021
Sandra Enkhardt

Das kühle, sonnige Wetter sorgt weiter für Rekorde. Nach Energy-Charts-Erhebungen haben die in Deutschland installierten Photovoltaik-Anlagen zum ersten Mal die Marke von 40 Gigawatt geknackt.

Grafik: Fraunhofer ISE/Energy Charts

Grafik: Fraunhofer ISE/Energy Charts

Der alte Rekord hat gerade einmal vier Tage gehalten: Am Dienstag sorgte Hoch „Sandra“ mit viel Sonne, aber doch eher kühlen Temperaturen dafür, dass ein neuer Erzeugungsrekord in Deutschland zu verzeichnen war. „Erstmals mehr als 40 Gigawatt Solarstrom!“, twitterte Bruno Burger, Leiter von Energy Charts am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Seine Kurve zur Nettostromerzeugung zeigt für den 27. April, 13 Uhr, eine Leistung von 40,73 Gigawatt Photovoltaik. Dabei sei in Deutschland erstmals die Marke von 40 Gigawatt geknackt worden. Die ins Netz eingespeiste Photovoltaik-Leistung habe bei etwa 36,3 Gigawatt gelegen. Dazu kommen rund vier Gigawatt Photovoltaik-Eigenverbrauch. Zudem ist am Dienstag auch ein neuer Erzeugungsrekord mit 332 Millionen Kilowattstunden Solarstrom zu verzeichnen gewesen. Der alte Rekord stammte vom 1. Juni 2020 und lag Energy Charts zufolge bei 326 Millionen Kilowattstunden.

Die Wetterlage hatte zuvor am Freitag und auch schon am Wochenende für neue Photovoltaik-Erzeugungsrekorde gesorgt. So sind Eon zufolge am Samstag und Sonntag insgesamt rund 515 Millionen Kilowattstunden Solarstrom ins Netz eingespeist worden. Soviel wie noch nie an einem April-Wochenende. Zuvor war am Freitag nach Erhebungen von Energy-Charts die bisher höchste Photovoltaik-Leistung von 37,7 Gigawatt um 13:30 Uhr erreicht worden. Damit wurde der alte Rekord vom 1. Juni 2020 mit 37,2 Gigawatt übertroffen. Nach vier Tagen ist er nun aber schon wieder Geschichte.

Lebensräume wiederherstellen – jetzt!

NaBu - 30.03.2021

Wer etwas durcheinander bringt, räumt es wieder auf – so lautet die Regel bei mir zuhause. Leider ist es bei der Beschädigung und Zerstörung von natürlichen Lebensräumen bislang nicht so. In ganz Europa gibt es trockengelegte Moore, kanalisierte Bäche und verbaute Flüsse. Das muss sich ändern: mit einem EU-weiten Gesetz, das die Renaturierung von Lebensräumen verbindlich regelt. Bis zum 5. April können Sie genau das einfordern bei der Bürger*innenbefragung der EU-Kommission.

Jetzt Renaturierungsgesetz fordern!

Schützen reicht nicht mehr, wir müssen beschädigte und verlorene Lebensräume wieder zurückholen: Mit verbindlichen Renaturierungszielen können wir die Artenvielfalt stärken und unser Klima schützen. Fast 70.000 EU-Bürger*innnen haben sich bereits beteiligt. Helfen Sie uns, auf 100.000 Stimmen zu kommen?

8,7 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen in Deutschland

heise online
16.03.2021
Von Andreas Wilkens

In Deutschland wurden voriges Jahr rund 739 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt, etwa 70 Millionen Tonnen oder 8,7 Prozent weniger als 2019. Das geht aus den Emissionsdaten des Umweltbundesamtes (UBA) hervor, die erstmals nach den Vorgaben des Bundesklimaschutzgesetzes vorgelegt wurden. Im Vergleich zu 1990 sanken die Emissionen um 40,8 Prozent.

Natürlich machen sich in diesem besonderen Jahr auch Pandemie-Effekte bemerkbar, besonders im Verkehrssektor. Aber mir ist wichtig, dass sich auch strukturelle Veränderungen zeigen beim Umbau unserer Volkswirtschaft in Richtung Klimaneutralität", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze laut Mitteilung.

Die Minderung im Jahr 2020 ist nach Angaben ihres Ministeriums der größte jährliche Rückgang seit 1990. Fortschritte habe es bei der Emissionsminderung in allen Bereichen gegeben. Etwa ein Drittel der Minderungen gingen auf die Folgen der Bekämpfung der Corona-Pandemie zurück, hier besonders im Verkehrs- und Energiebereich. Umweltbundesamt-Präsident Dirk Messner meint, ohne die Corona-Lockdowns mit den Einschränkungen bei Produktion und Mobilität hätte Deutschland sein Klimaziel für 2020 verfehlt

Energiewirtschaft

Mit rund 38 Millionen Tonnen CO2 ist der größte Emissionsrückgang im Sektor Energiewirtschaft zu verzeichnen, 14,5 Prozent weniger als 2019. Mit minus 23 Millionen Tonnen hat den größten Anteil daran der Rückgang der Emissionen aus der Verstromung von Braunkohle. Die Emissionen aus der Steinkohle-Verstromung sanken um 13 Millionen Tonnen CO2; obwohl das Kohle-Kraftwerk Datteln 4 in Betrieb genommen worden sei.

Die Reform des europäischen Emissionshandels habe zu höheren CO2-Preisen geführt, heißt es weiter aus Berlin. Der Durchschnittspreis für eine Tonne CO2 habe 2020 trotz Wirtschaftskrise mit etwa 25 Euro auf dem vergleichsweise hohen Niveau des Vorjahres gelegen. So war der Betrieb von Kohlekraftwerken 2020 häufig teurer als der von Gaskraftwerken, die weniger CO2 emittieren.

Erneuerbare Energien kamen mit einem Anteil von 45 Prozent am Bruttostromverbrauch stärker zum Einsatz als in den Vorjahren. Dazu kam vor allem der durch die Lockdowns bedingte Rückgang des Bruttostromverbrauchs um mehr als 4 Prozent.

Verkehr

Im Verkehr wurden mit 146 Millionen Tonnen CO2 19 Millionen Tonnen oder 11,4 Prozent weniger ausgestoßen als im Vorjahr. Während des ersten Lockdowns wurde weniger Pkw gefahren, vor allem auf den langen Strecken. Dies belegen die niedrigeren Absatzzahlen für Kraftstoffe und Daten von Zählstellen an Autobahnen und Bundesstraßen. 2 Millionen Tonnen Minderung seien auf niedrigere CO2-Emissionen neuer Pkw unter anderem durch den Anstieg der Neuzulassungen von Elektroautos zurückzuführen. Die Fahrleistung der Lkw lag im Vergleich zum Vorjahr nur wenig niedriger.

Industrie

In der Industrie gingen die Emissionen gegenüber dem Vorjahr um knapp 9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zurück, das ist ein Minus von 4,6 Prozent. Hier spielen Konjunktureffekte in Folge der Corona-Krise eine wichtige Rolle, die in den Branchen unterschiedlich ausfielen. Die deutlichste Minderung gab es in der Stahlindustrie, wo die Rohstahlerzeugung um rund 10 Prozent zurückging. Im produzierenden Gewerbe gab es überwiegend leichte Emissionsrückgänge. Die gute Baukonjunktur wiederum führte zu höheren Prozessemissionen der relevanten Branchen in der mineralischen Industrie.

Die Berechnungen werden abgeleitet aus einem System von Modellrechnungen und Trendfortschreibungen der im Januar 2021 veröffentlichten detaillierten Inventare der Treibhausgasemissionen des Jahres 2019, erläutert das Umweltbundesamt. Die vollständigen, offiziellen und detaillierten Inventardaten zu den Treibhausgasemissionen für das Jahr 2020 will das UBA im Januar 2022 mit der Übermittlung an die Europäische Kommission veröffentlichen.

"Fatales Signal für Artenvielfalt"

tagesschau.de
17.03.2021 / Von Nadine Bader, ARD-Hauptstadtstudio

Ministerin Klöckner will noch im März ihre Vorschläge zur Reform der Agrarpolitik im Kabinett vorlegen. Doch die Kritik an den Entwürfen ist groß - nicht nur bei Umweltschützern.

Es herrscht hektisches Treiben im Bundeslandwirtschaftsministerium in diesen Tagen. In Windeseile werden Gesetzentwürfe verfasst. Ministerin Julia Klöckner (CDU) will Fakten schaffen, solange sie noch im Amt ist. Die Grünen sprechen von einer "Nacht- und Nebelaktion" des Ministeriums. Auch Bundesländer und Verbände kritisieren das Tempo. Es geht um die Verteilung der Milliardengelder aus dem EU-Agrarhaushalt für die kommenden Jahre.

Ein Großteil des Geldes wurde bisher als Flächenprämie an die Bauern ausgezahlt. Es profitierten also vor allem große Betriebe, die viele Felder und viel Fläche haben. Das soll sich ändern. Gestritten wird aber noch darüber, wie hoch der Anteil der Subventionen künftig sein soll, der an Öko-Regelungen geknüpft wird. Es geht also um die grundlegende Frage, welche Umweltauflagen die Landwirtschaft künftig erfüllen soll.

Klöckner macht Druck

Die Länder hätten sich konstruktiven Beschlüssen bei der Sonderagrarminister-Konferenz im Februar verweigert, heißt es aus Klöckners Ministerium. Deshalb habe man gehandelt. Tatsächlich war die stundenlange Marathonsitzung der Agrarminister eher von anhaltendem Dissens als von nennenswerten Ergebnissen geprägt. Wenn die Landesminister sich nun zu einer weiteren Sonderkonferenz zusammenschalten, liegen also konkrete Vorschläge aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium auf dem Tisch.

Die Referentenentwürfe aus dem Hause Klöckner liegen dem ARD-Hauptstadtstudio vor. Sie sehen vor, dass alle Landwirte bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllen müssen, um die Basisprämien zu erhalten. Das Ministerium schlägt vor, dass Landwirte unter anderem drei Prozent ihrer Ackerflächen als sogenannte nichtproduktive Flächen, also Brachen, vorhalten müssen.

20 Prozent der Direktzahlungen sollen zudem an höhere Umwelt- und Klimaleistungen geknüpft werden. Für Deutschland entsprechen diese 20 Prozent insgesamt 900 Millionen Euro jährlich. Um Gelder aus diesem Fördertopf zu erhalten, sollen Bauern Öko-Regelungen (Eco-Schemes) umsetzen. Dazu gehören zum Beispiel Blühstreifen und der Anbau vielfältiger Kulturen im Ackerland einschließlich einem Mindestanteil von zehn Prozent Leguminosen. Das sind Hülsenfrüchtler wie Erbsen, Linsen und Bohnen, die durch ihr großes Blütenangebot Nahrung für Insekten liefern.

Alles nur "Kosmetik"?

Für Umwelt- und Tierschützer sind die Entwürfe aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium nicht viel mehr als "Kosmetik", die den dringenden Handlungsbedarf im Bereich Umwelt, Klima und Tierwohl verkennen würden.

Der Deutsche Naturschutzring fordert etwa, anstatt drei sollten mindestens zehn Prozent der Agrarflächen zu "unbewirtschafteten Zufluchtsorten für Insekten und Vögel" werden. Insgesamt gebe es weiterhin viel zu wenig Geld, um konkrete Agrarumwelt- und Klimaleistungen zu fördern. Thomas Schröder vom Tierschutzbund vermisst echte Anreize für Landwirte, verstärkt in den Tierschutz zu investieren: etwa über die Förderung tierfreundlicher Haltungsbedingungen für zum Beispiel mehr Platz im Stall pro Tier.

Unterschiedliche Reaktionen von Landwirten

Bei Landwirten stoßen die Ministeriumspläne auf ein geteiltes Echo. Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat ein eigenes Konzept vorgelegt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen für Öko-Regelungen ähneln zum Teil den Vorstellungen des Ministeriums: unter anderem mehr Brache und mehr Blühstreifen.

22 bis 24 Prozent der Direktzahlungen will der DBV an solche Maßnahmen knüpfen, etwas mehr als das Ministerium. Der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ist das zu wenig. Die AbL fordert, das Budget für die Öko-Regelungen dynamisch anzuheben - beginnend bei einem Anteil von 30 Prozent der Direktzahlungen.

Agrarministerkonferenz: Alle gegen die Grünen

In der Agrarministerkonferenz zeichnet sich inzwischen ein parteiübergreifendes, schwarz-rot-rot-gelbes Bündnis ab: Acht Agrarminister aus Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen gehen mit einem gemeinsamen Kompromisspapier in die Sonderkonferenz. Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium wollen sie das Budget für die Öko-Regelungen zunächst auf 20 Prozent der Direktzahlungen festlegen. Ihnen stehen die anderen acht Landesminister gegenüber, allesamt Grüne, die mehr Geld für Umwelt- und Klimaschutz heraushandeln wollen.

Es dürfte also wieder ein zähes Ringen werden in der Sonder-Agrarministerkonferenz. Beschlüsse müssen laut Geschäftsordnung einstimmig gefasst werden. Darauf will die Bundeslandwirtschaftsministerin nicht warten. Klöckners Gesetzentwürfe sollen kommende Woche ins Kabinett.

Sie seien nicht zustimmungspflichtig von Seiten des Bundesrats, heißt es aus dem Ministerium. Das sächsische Landwirtschaftsministerium, das gerade den Vorsitz der Agrarministerkonferenz innehat, findet diese Einstufung allerdings fragwürdig. Ganz grundsätzliche Bedenken hat auch das Bundesumweltministerium: Die Vorschläge seien unzureichend, man sehe noch Änderungsbedarf.

Ausreichende Honorierung von Umweltleistungen?

Am Ende geht es um die Frage, ob Umweltleistungen von Landwirten ausreichend honoriert werden. Peter Feindt von der Humboldt-Universität zu Berlin, der als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats für Biodiversität das Bundeslandwirtschaftsministerium berät, ist skeptisch. Das sogenannte Greening, eine der bisherigen Umweltauflagen, hätte auf mehr als 90 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen gar keine Wirkung gehabt, die Steuerzahler dabei aber viele Milliarden Euro gekostet. Die Vorschläge aus dem Ministerium seien eine Weiterentwicklung "in ziemlich kleinen Schritten".

So sei es zwar grundsätzlich sinnvoll, dass sich die Betriebe bei den Öko-Regelungen die Maßnahmen aussuchen könnten, die am besten zu ihrem Betrieb passen. Feindt geht aber auch davon aus, dass das "dann eher die kostengünstigsten und nicht immer die besonders umweltwirksamen Maßnahmen" sein werden.

Und dann gibt es auf EU-Ebene auch noch die Verhandlungen zwischen Rat, Parlament und Kommission, die noch gar nicht abgeschlossen sind. Gut möglich, dass die nationale Umsetzung an die Ergebnisse noch mal angepasst werden muss.

Abo Wind profitiert von Erweiterung des internationalen Geschäfts / Solar- und Speicherprojekte werden wichtiger

KA / Dienstag, 16.03.2021
Von Karl Schlieker

WIESBADEN / HEIDESHEIM. Der vor 25 Jahren gegründete Wind- und Solarparkentwickler Abo Wind rechnet in diesem Jahr mit mehr genehmigten Windkraftprojekten in Deutschland. Allerdings werde der Zubau noch weit unter den 2016er-Werten bleiben. Immerhin ermögliche die EEG-Novelle eine bessere finanzielle Beteiligung von Anliegerkommunen an den Erträgen, berichtete Alexander Koffka, Mitglied der Geschäftsleitung, in Wiesbaden. Notwendig seien aber darüber hinaus einfachere Genehmigungsverfahren und mehr Rechtssicherheit bei der Flächenausweisung. Der Mangel an genehmigten Projekten habe im vergangenen Jahr dazu geführt, dass von den ausgeschriebenen 3860 Megawatt an Land ausgeschriebenen Wind nur 2672 Megawatt vergeben werden konnten.

Auch das Repowering – also der Ersatz von älteren durch leistungsfähigere Anlagen – stocke, da der Austausch der Anlagen wie ein neues Projekt genehmigt werden muss. „Wenn dann ein Rotmilan sich von einer Windkraftanlage nicht stören ließ und dort einen Horst gebaut hat, könnte daran plötzlich ein Repoweringprojekt scheitern“, kritisierte Koffka. Vor der Bundestagswahl rechnet Abo Wind nicht mehr mit einer wesentlichen Verbesserung, da die Große Koalition sich gegenseitig ausbremse.

Abo Wind baut deshalb das internationale Geschäft weiter aus und verbreitert gleichzeitig seine Technologiebasis. So werden seit fünf Jahren Solarpark-Projekte initiiert, deren Anteil am Projektierungsgeschäft inzwischen 19 Prozent beträgt. Erstmals wurde im vergangenen Jahr zudem etwas Umsatz mit einem 0,2 Megawatt-Batteriespeicherprojekt in Kassel erzielt. „Das ist ein erster Achtungserfolg.“ Aktuell werde ein mit 50 Megawatt Leistung deutlich größeres Batterieprojekt im nordirischen Kells umgesetzt.

Drei zusätzliche Hybridprojekte von Solar- und Speichertechnik mit zusammen 10 Megawatt Leistung seien zudem in Deutschland geplant. Wer Speichertechnik anbiete, habe bei den Innovationsausschreibungen von Solarenergie der Bundesnetzagentur Vorteile.

Mit Windkraft werden 77 Prozent des Umsatzes im Projektierungsgeschäft bestritten. Der Anteil Deutschlands sank im vergangenen Jahr von 42 Prozent auf 35 Prozent. Unter den 16 Ländern, in denen Abo Wind Anlagen plant, sind vor allem Frankreich (24 Prozent), Griechenland (15 Prozent), Spanien (neun Prozent), Irland (acht Prozent), Finnland (vier Prozent) und Ungarn (drei Prozent) wichtig.

Abo Wind will die ersten Windparks mit einer dreistelligen Megawatt-Leistung ans Netz bringen. Die Rechte an dem spanischen Windpark Cuevas de Velasco und dem finnischen Windpark Välikangas mit jeweils 100 Megawatt Leistung wurden bereits verkauft und werden nun von Abo Wind errichtet und betreut.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 96 auf 772, davon etwa 300 in Wiesbaden und 150 in Heidesheim. Mit 13,1 Millionen Euro weist Abo Wind zum fünften Mal in Folge einen Jahresüberschuss von mehr als zehn Millionen Euro aus. Die Dividende soll aus diesem Grund von 0,42 auf 0,45 Euro erhöht werden.

Eigenkapital aufgestockt

„Auch für die kommenden Jahre sind die Aussichten sehr gut“, sagte Abo-Wind-Vorstand Matthias Bockholt. Abo Wind arbeite derzeit an Wind- und Solarpark-Projekten mit einer Gesamtkapazität von rund 15 Gigawatt. Anlagen mit einer Kapazität von 600 Megawatt werden derzeit errichtet. Die Corona-Krise habe zwar den Bau neuer Anlagen nicht verzögert, wohl aber die Projektentwicklung verlangsamt. Über Gewinnrücklagen und die Ausgabe neuer Aktien wurde das Eigenkapital um annähernd 40 Millionen Euro auf jetzt gut 140 Millionen Euro gesteigert. „Das ist eine gute Basis, um künftig Großprojekte auch auf eigenes Risiko und mit eigenen Mitteln schlüsselfertig umzusetzen“, berichtete Bockholt.

Eine über die GLS-Bank vertriebene Unternehmensanleihe soll im Lauf des Jahres weitere rund 50 Millionen Euro bringen. An der Börse wird Abo Wind mit 400 Millionen Euro bewertet. Die Familien der beiden Unternehmensgründer Jochen Ahn und Bockholt wollen langfristig die Mehrheit halten.

BILANZ

Die Gesamtleistung (Umsatz und Erhöhung des Bestands an Erzeugnissen und Leistungen) stieg im vergangenen Jahr von 149,2 Millionen Euro auf 169,3 Millionen Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit legte von 18,0 Millionen Euro auf 20,7 Millionen Euro zu.

Neue forsa-Umfrage: 77 Prozent der Deutschen wollen Pestizid-Ausstieg

Umweltinstitut München e.V. / 24.11.2020

Repräsentative Bevölkerungsumfrage zeigt, dass eine große Mehrheit ein Ende des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft befürwortet. 57 Prozent der Befragten sehen zudem Pestizide in der Luft als großes oder sehr großes Risiko für die Gesundheit an, 77 Prozent als Gefahr für die Natur. Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft und Umweltinstitut München fordern Sofortverbot der Ackergifte, die sich am meisten über die Luft verbreiten.

Laut einer aktuellen repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag des Bündnisses für eine enkeltaugliche Landwirtschaft und des Umweltinstituts München spricht sich eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung für ein Ende des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft aus. Im kommenden Jahr wird in der Schweiz per Volksentscheid darüber abgestimmt, ob Pestizide nach einer zehnjährigen Übergangszeit landesweit verboten werden sollen. Gäbe es in Deutschland eine solche Abstimmung, würden sich 77 Prozent der Befragten für einen Pestizidausstieg aussprechen. Zudem gibt eine Mehrheit von 57 Prozent der Befragten an, dass Pestizide, die sich weit entfernt von Äckern über die Luft verbreiten, ein großes oder sehr großes gesundheitliches Risiko darstellen. Insgesamt 77 Prozent sind der Ansicht, dass Pestizide in der Luft ein großes oder sehr großes Risiko für die Natur sind.

Christine Vogt, Referentin für Landwirtschaft im Umweltinstitut München: "Die Umfrage zeigt ganz klar, dass Verbraucherinnen und Verbraucher Pestizide in der Landwirtschaft ablehnen. Die Menschen sorgen sich um ihre Gesundheit und um die Natur, weil Ackergifte sich kilometerweit über die Luft verbreiten. Agrarministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze müssen das klare Votum der Bevölkerung ernst nehmen und einen schrittweisen Pestizidausstieg in Deutschland einleiten."

Die Auftraggeber der Umfrage fordern, die Stoffe Glyphosat, Pendimethalin, Prosulfocarb, Terbuthylazin und Metolachlor sofort zu verbieten. Diese sind am häufigsten weit entfernt von Äckern in der Atemluft nachweisbar. Das hatte die Ende September diesen Jahres veröffentlichte Studie "Pestizid-Belastung der Luft" im Auftrag des Bündnisses für eine enkeltaugliche Landwirtschaft und des Umweltinstituts München gezeigt. Ackergifte verbreiten sich teils mehrere Kilometer und zu Dutzenden weit abseits der Äcker bis in Städte und Naturparks hinein. Selbst auf der Spitze des Brockens im Nationalpark Harz waren zwölf Pestizide nachweisbar. Insgesamt fanden sich deutschlandweit 138 Stoffe.

Boris Frank, Vorsitzender vom Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft: "Wir können nicht weiter hinnehmen, dass sich ein Pestizid-Cocktail bis in die hintersten Winkel Deutschlands unkontrolliert ausbreitet. Wir rufen alle Interessierten dazu auf, bei den verantwortlichen PolitikerInnen nachzufragen, wer sie wie vor Ackergiften zu schützen gedenkt. Jeder und jede kann mitmachen und eine entsprechende Mail an die Agrar- oder UmweltministerInnen auf Landes- oder Bundesebene schicken." Eine Vorlage für Fragen aus der Bevölkerung gibt es im Internet unter www.ackergifte-nein-danke.de/fragen-an-die-politik.

Zur Studie "Pestizid-Belastung der Luft"

Für die in Deutschland bisher umfassendste Studie zur Pestizid-Belastung der Luft wurden von März bis November 2019 in der gesamten Bundesrepublik Pestizide in der Luft gemessen. Untersucht wurden Standorte im Umkreis von weniger als 100 bis hin zu mehr als 1000 Metern Entfernung von potentiellen Quellen - in Städten und auf dem Land, in konventionellen und Bio-Agrarlandschaften sowie in unterschiedlichen Schutzgebieten. Die Daten wurden mit Hilfe von neu entwickelten technischen Passivsammelgeräten, aus Filtermatten in Be- und Entlüftungsanlagen von Gebäuden sowie durch die Analyse von Bienenbrot und Baumrinden erhoben.

Weitere Informationen

Ergebnisse der forsa-Umfrage "Pestizide in der Landwirtschaft"

Kurz- und Langfassung der Studie "Pestizid-Belastung der Luft"

Regional nach Bundesländern aufbereitete Ergebnisse sowie Fotos und Videos zur Pestizid-Studie

"Unsere" Karin hat im Januar 2 Fragen an Greenpeace gestellt und darauf im Februar Antworten erhalten. Wir dokumentieren Fragen und Antworten hier.

Frage 1: Windrad: wieviel Energie wird zur Herstellung gebraucht und in welchem Verhältnis steht das zur Energiegewinnung durch das Windrad?

Windenergieanlagen an Land haben sich nach etwas drei bis sieben Monaten energetisch amortisiert. Das bedeutet, dass die Windkraftanlage nach dieser Laufzeit die Energie erzeugt hat, die für die Produktion notwendig war. Im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien ist das sehr kurz. Eine Windkraftanlagen kann daher je nach Bauweise 30 bis 70 Mal mehr Energie erzeugen, als für ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung notwendig ist. Für den Bau der Windkraftanlagen wird am meisten Energie aufgewendet, ca. 80%, 5% fällt auf den Aufbau, unter 2% auf den Transport und ca. 1% den Rückbau.

Konventionelle Energieerzeugungsanlagen, also Anlagen, die mit fossilen Rohstoffen Energie erzeugen, amortisieren sich dagegen gar nicht, da im Betrieb immer mehr Energie in Form von Brennstoffen eingesetzt werden muss, als Nutzenergie erzeugt wird.

(UBA, 14.8.2020, https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/windenergie#entwicklung, zuletzt besucht am 29.1.2021)
(AEE, https://www.unendlich-viel-energie.de/themen/faq/faq-windenergie/faq-windenergie2, zuletzt besucht am 29.1.2021)

Frage 2: Einsatz von Wasserstoffmotoren im Auto - wie weit ist die Entwicklung / Vor-Nachteile im Vergleich zu E-Autos / Speicherung der gewonnenen Energie / flächendeckender Einsatz möglich - wann ??

Wir haben uns auch verschiedene Antriebstechniken angeschaut und analysiert, welche davon am geeignetsten für eine Verkehrswende ist.

Wasserstoff macht aufgrund seiner geringen Effizienz für die allermeisten Pkw keinen Sinn. Der Wirkungsgrad batterieelektrischer Pkw liegt - von der Stromentnahme aus dem Netz bis zur Umsetzung in Fahrleistung - bei rund 70 Prozent. Wasserstoff-Brennstoffzellen-Pkw haben einen Gesamtwirkungsgrad von nur rund 34 Prozent. Noch schlechter ist der Wirkungsgrad eines verbrennungsmotorischen Pkw mit synthetischen Kraftstoffen, er liegt durch weitere Energieverluste bei der Kraftstoffsynthese, Verflüssigung und der deutlich weniger effizienten Verbrennung bei unter 11 Prozent. Für den Einsatz in Pkw ist aus diesen Gründen eindeutig die batterieelektrische Lösung zu bevorzugen.

Wasserstoff und synthetische Treibstoffe können durchaus eine Teillösung der Verkehrswende sein, vor allem dort, wo Elektromobilität nicht anwendbar ist. Aufgrund der schlechten Effizienz (hoher Strombedarf bei der Herstellung, niedriger Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren) empfehlen wir strombasierte Kraftstoffe allerdings nur da einzusetzen, wo es keine effizienteren technischen Alternativen (batterieelektrischer Antrieb) gibt - so z.B. im Flugverkehr oder in der Hochseeschifffahrt. Allein die Nachfrage in diesen Bereichen erzeugt einen extrem großen Strombedarf, so dass man auf keinen Fall strombasierte Kraftstoffe in anderen Bereichen (z.B. für Pkws) "verschwenden" sollte, wo dies nicht notwendig ist.

Für einen großflächigen Einsatz von Wasserstoff fehlt die Infrastruktur. Dafür müsste ein komplettes Versorgungsnetz neu aufgebaut werden. Aktuell gibt es in Deutschland laut Statista noch nicht einmal 100 Tankstellen. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/820836/umfrage/anzahl-der-wasserstofftankstellen-in-deutschland/. Die Tankstellen werden überwiegend von Total betrieben, die dort keinen grünen Wasserstoff sondern Wasserstoff auf fossiler Basis verkaufen.

Auch bei den Wasserstoffautos sieht es mau aus. Deutsche Hersteller haben schon lange daran geforscht und viele Prototypen auf die Straße geschickt. Mercedes hat kurzzeitig auch ein Modell zum Leasing angeboten. Aktuell gibt es allerdings in Deutschland nur ein Model von Toyota und eines von Hyundai, die jeweils zum Leasing angeboten werden.

Da wir aus Klimaschutzgründen den CO2-Ausstoss schnell reduzieren müssen, stellt der Wasserstoff für Pkw keine Option dar, der Aufbau eines entsprechenden Versorgungsnetzes sowie die Neuentwicklung der Motoren würde viel zu lange dauern und zu spät kommen. Wir brauchen jetzt schnellere Lösungen. Parallel wird es auf jeden Fall notwendig sein, die Anzahl, die Größe und das Gewicht der Autos deutlich zu reduzieren. Die aktuelle Fahrzeugflotte ist nicht nachhaltig.

Hier sind zwei Grafiken, die einen guten Vergleich verschiedener Antriebstechniken für PkW geben (Batterieelektrisch, Wasserstoff und sogenannte synthetische Kraftstoffe). Die erste Grafik ist von Transport & Environment, die zweite Grafik ist aus unserer eigenen Studie über synthetische Kraftstoffe.

Unsere Studie über das Potential von strombasierten Kraftstoffen und ihren sinnvollen Einsatz für die Verkehrswende (Wuppertal Institut 2019) finden Sie hier: https://www.greenpeace.de/presse/publikationen/der-beitrag-von-synthetischen-kraftstoffen-zur-verkehrswende

Reenie Linnea Vietheer
Expertin für Erneuerbare Energien
Greenpeace e.V.
Hamburg

www.greenpeace.de

Steile These

Zusätzliche Windkraft ist eigentlich nicht nötig.
Im Gegenteil: Offshore-Windkraftanlagen sollten wieder abgebaut werden (wegen Schall und Störung von Seevögeln). Die Zukunft heißt Wasserstoff. Jede Menge Wasserstoff könnte gewonnen werden, wenn die wegen Überlast zwangsweise vom Netz genommenen Windkraftwerke weiterlaufen und Wasserstoff erzeugen.

Werden Windräder zuerst abgeschaltet bei Überangebot?

Nein. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz regelt ganz klar (§ 14), dass im Falle von Abschaltungen „der Vorrang für Strom aus erneuerbaren Energien, Grubengas und Kraft-Wärme-Kopplung gewahrt wird…"

Wieviel erneuerbare Energie wird derzeit abgeregelt?

Für 2019 laut Bundesnetzagentur 2,8%

Windstrom abgeregelt in 2019: rund 6,3 Terawattstunden

Kann der abgeregelte Strom gespeichert und wieder genutzt werden?

Ja – und das sollte auch geschehen.

Hierzu gibt es eine Reihe von Möglichkeiten: Speicherkraftwerke, Batteriespeicher, Wasserstoff,….

Wieviel zusätzliche Energie stünden durch Speicherung und Wiedereinspeisung zur Verfügung?

„Round-trip“-Wirkungsgrad beschreibt Wirkungsgrad bei Wiederverstromung, also nach Herstellung von Wasserstoff und Rückverstromung.
Die Wissenschaftler wollen den Wert von aktuell 43 Prozent auf über 50 Prozent verbessern.

Bei 50% stünden immerhin von der abgeregelten Strommenge von 2,8% noch 1,4% zur Verfügung.
Der Vorteil von Wasserstoff gegenüber anderen Speichern: er kann in Tanks transportiert, gelagert und getankt werden. Brennstoffzellenauto: tanken wie Benzin – höhere Reichweite, deutlich kürzere „Aufladezeit“ gegenüber Akku.

Könnten deshalb Windkraftanlagen außer Betrieb genommen werden?

Keineswegs!

Im Gegenteil besteht noch ein erheblicher Bedarf an erneubaren.

Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch hat sich zwar von 6 % im Jahr 2000 auf rund 46 % im Jahr 2020 erhöht. Aber das ist immer noch weniger als die Hälfte!

Schaut man sich den Anteil erneuerbare am gesamten Primärenergieverbrauch an, liegt man für 2019 bei jämmerlichen 17,1 %!!!

Daher: Wasserstoff – JA - aber er ist leider nur ein Energieträger (=muss mit Energie hergestellt werden). Was immer noch fehlt ist Primärenergie aus erneuerbaren!

Studie: Europäische Unternehmen steuern auf 2,7 Grad Erderhitzung zu

Die Bemühungen europäischer Unternehmen, die Erderhitzung durch weniger CO2-Emissionen zu verlangsamen, reichen nicht aus, ergibt eine Studie.

dpa / 2.3.2021

Europäische Unternehmen steuern einer Datenauswertung zufolge mit ihren derzeitigen Klimazielen und Emissionen zum Ende des Jahrhunderts auf eine globale Erderwärmung von 2,7 Grad zu. Das ist das zentrale Ergebnis einer Analyse der von Unternehmen ausgegebenen Einsparziele und weiteren Daten, die das Carbon Disclosure Project (CDP) mit Sitz in London am Dienstag veröffentlichte.

Die gemeinnützige Organisation sammelt mit standardisierten Abfragen Daten und Ziele von Unternehmen über ihre Klimaschutz-Anstrengungen und rechnet auch indirekt verursachte Emissionen ein. Mit einem jährlich veröffentlichten Index soll für Aktionäre und die Öffentlichkeit eine Vergleichbarkeit geschaffen werden.

Klimaschädliche Emissionen noch zu hoch

"Der europäische Unternehmenssektor läuft heiß. Von den aktuellen Ambitionen ausgehend, ist er auf einem 2,7-Grad-Pfad der Erderwärmung – mehr als ein Grad mehr, als wir nach Ansicht der Klimawissenschaft erreichen dürfen, um die katastrophalsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden", sagte der Exekutivdirektor der Organisation, Maxfield Weiss. Allerdings sei positiv, dass immer mehr Unternehmen überhaupt einen Plan aufstellten, um ihre klimaschädlichen Emissionen zu reduzieren. Nach aktuellem Stand haben 56 Prozent der knapp 1000 vom Carbon Disclosure Project untersuchten Unternehmen bislang eine solche Strategie.

In der Analyse des Reports "Running Hot – Accelarating Europe's Path to Paris" lässt sich erkennen, dass Unternehmen in Schweden, Dänemark und der Schweiz mit einem Unter-Zwei-Grad-Pfad noch am besten dastehen, während die Firmen in Großbritannien, Belgien und Italien mit ihren Emissionen sogar zu drei Grad Erhitzung der Erde bis zum Jahr 2100 führen würden.

Synthetisches Benzin aus Ökostrom – warum die E-Fuel-Wette nicht aufgehen wird

Business Insider / Don Dahlmann / 23 Feb 2021

Synthetisches Benzin wird neuerdings als ideale Lösung für Autos propagiert. Doch sogenannte E-Fuels haben ein massives Öko-Problem. Sinnvolle Einsatzzwecke gibt es dennoch.

Die Autoindustrie setzt auf E-Fuels. Doch die sind nicht umweltschonend. Die Autoindustrie setzt auf E-Fuels. Doch die sind nicht umweltschonend.

Synthetisches Benzin aus Ökostrom ist im Moment ein heißes Thema. Vor allem seit Porsche zusammen mit Siemens im Dezember 2020 verkündete, eine sogenannte E-Fuel-Anlage in Chile bauen zu wollen. Aus Windenergie soll dann synthetischer Kraftstoff hergestellt werden, der ohne große Probleme auch in existierenden Verbrennungsmotoren genutzt werden kann. Ebenso ließen sich E-Fuels über das bestehende Tankstellennetz vertreiben. Sauberes Benzin ohne klimaschädliche Emissionen, die alle modernen Autos, die heute unterwegs sind, nutzen können – wäre das nicht eine ideale Lösung?

Die Sache ist leider nicht so einfach, wie sie klingt. Zunächst muss man erwähnen, dass der Wirkungsgrad von E-Fuels erschreckend gering ist. Während bei einem Elektroauto rund 70 Prozent der zur Verfügung gestellten Energie am Ende auch für den Antrieb genutzt werden können, sind es bei den E-Fuels nur 15 Prozent. Damit haben E-Fuels den mit weitem Abstand schlechtesten Wirkungsgrad, den es bei den momentan verfügbaren Antriebstechnologien gibt. Man benötigt die fünffache Menge an Energie, um mit E-Fuels die gleiche Strecke wie mit einem E-Auto zurückzulegen.

Unterirdische Effizienz, klimaschädliche Herstellung

E-Fuels-Befürworter argumentieren, dass die Effizienz eines Kraftstoffs keine Rolle spielt, solange dieser mit grüner Energie hergestellt werden kann. Wind und Sonne seien ja genug da, da störe am Ende nicht, wie viel grüner Kraftstoff hergestellt und verbraucht wird, solange alles klimaneutral sei. Doch eine Studie des Umweltbundesamts kommt zu dem Schluss, dass gerade die Herstellung und der Transport der E-Fuels aus weit entfernten Ländern alles andere als eine positive Ökobilanz nach sich ziehen.

Das gravierendste Argument gegen E-Fuels aber ist, neben dem katastrophalen Wirkungsgrad, die Herstellung selbst. Denn um E-Fuels herstellen zu können, wird Wasserstoff benötigt. Dieser wird dann mit Kohlendioxid (CO2) angereichert und weiter chemisch bearbeitet. Da gibt es dann gleich zwei Probleme: Erstens ist die Gewinnung von CO2 aus der Luft aufwendig und bisher kaum erprobt. Selbst wenn man diese Hürde irgendwann beseitigen sollte, gilt zweitens, dass die Herstellung von Wasserstoff enorme Mengen an Energien verschlingt.

Die berechtigte Frage ist also, warum überhaupt sehr viel Energie in die Herstellung von Wasserstoff gesteckt werden sollte, wenn diese Energie besser für Industrie und Elektromobilität verwendet werden könnte. Tatsächlich ergibt es mehr Sinn, einfach direkt den Wasserstoff zu verwerten und für den Antrieb von Autos, Lastkraftwagen, Flugzeugen oder Schiffen zu verwenden.

Befürworter der E-Fuel Strategie werfen hier ein, dass der Aufbau einer Infrastruktur für die Verteilung von Wasserstoff zu teuer sei. Immerhin kostet eine Wasserstofftankstelle mehr als eine Million Euro. Diese Investitionen würde man sich sparen, wenn man auf E-Fuels setzen würde, die man – wie erwähnt – über das bestehende Tankstellennetz vertreibt.

LKWs und Flugzeuge könnten dennoch profitieren

Es geht also um’s Geld und um wichtige Investitionen in die Zukunft. Der Autoindustrie wäre es lieber, sie könnte ihre Motoren weiterbauen und sich den teuren Umbau zur Elektromobilität sparen. Es scheint billiger zu sein, E-Fuels am anderen Ende der Welt produzieren zu lassen. Damit verpasst man aber die Chance, den Technologiewandel anzuführen.

Dass man E-Fuels in bestimmten Mengen benötigen wird, ist allerdings richtig. Aber weniger für private Pkw, sondern mehr für Lastwagen und vor allem im Flugverkehr. Der Denkfehler bei E-Fuels für Autos ist, dass Industrie und Gesellschaft mit der Mobilität einfach so weiter machen, wie bisher. Das würde der Autoindustrie gefallen, nicht aber den Städten. Denen geht es vor allem um eine Reduktion des Straßenverkehrs und nicht um einem Austausch oder gar einen Ausbau der Fahrzeugflotte.

Wasserstoff wird Benzin: Siemens braut Treibstoff aus Wind und Wasser

In Chile baut Siemens Energy ein großes Werk für kommerzielle Produktion klimaneutralen Benzins. Erstabnehmer ist Porsche.

heise online / (tol) / 2.3.2021

Der erste Spatenstich für das Haru-Oni-Wasserstoff-Projekt ist getan, aber bis zum Start der Großproduktion klimaneutraler Treibstoffe wird es wohl noch ein paar Monate dauern. Im windigen Süden Chiles baut Siemens Energy eine Produktionsanlage für E-Benzin. Sie wird aus Modulen zur CO2-Gewinnung aus der Luft bestehenn sowie einer Elektrolyseeinheit und neben Wassertanks auch aus Geräten für Methanol-Synthese. Über große Windräder soll Windkraft gewonnen werden.

Ein anspruchsvolles Ziel, dennoch gibt sich Siemens optimistisch, dass alles wie geplant klappt. "Der Grund zur Auswahl dieses Standorts sind die hervorragenden klimatischen Bedingungen für die Windenergie und damit einhergehende niedrige Strompreise. Chile hat somit auch im internationalen Vergleich ein sehr hohes Potenzial für die Produktion, den Export und die lokale Nutzung grünen Wasserstoffs", sagte Andreas Eisfelder, Leiter des Siemens-Geschäftsbereichs New Energie Business Lateinamerika, gegenüber heise online.

Von dem Projekt hat der Konzern unter anderem die deutsche Bundesregierung überzeugt. Eine Förderung in Höhe von acht Millionen Euro aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie macht den Baustart in Chile überhaupt erst möglich. Das Projekt entsteht in der Region Magallanes in unmittelbarer Nachbarschaft zu Feuerland.

Klimaneutrales Benzin für Deutschland

In der Pilotphase 2022 sollen aus Sturm und Wasser erst einmal 750.000 Liter E-Methanol produziert werden. Kohlenstoff wird aus der Luft gewonnen und mit dem aus Wasser gewonnenen Wasserstoff zu Kohlenwasserstoff gemacht – so entsteht vereinfacht gesagt das E-Methanol. Daraus sollen schon nächstes Jahr 130.000 Liter E-Treibstoff werden.

Die Kapazität soll in den Folgejahren schnell ausgeweitet werden und einen Beitrag zur Entkarbonisierung des Transportsektors leisten. Natürlich wäre die Energiewende einfacher, würde der Individualverkehr zugunsten eines effizienten und allgemein akzeptierten öffentlichen Personennahverkehrs schrumpfen. Das klimaneutrale Benzin macht sich sicherlich auch im Tank von Bussen und anderen kollektiven Transportmaschinen gut.

Das Hari-Onu-Projekt sieht Siemens als Beitrag zum Green Deal der Europäischen Kommission. Diese hat sich verpflichtet, das Klimaziel der EU für 2030 zu erhöhen, damit Europa im Jahr 2050 der erste klimaneutrale Kontinent ist.

Dekarbonisierung ist Trumpf

Die Sektoren Verkehr und Industrie sollen zusammen für 45 Prozent der weltweiten menschengemachten CO₂-Emissionen verantwortlich sein. In diesen Sektoren haben erneuerbare Energiequellen die Emissionen bisher jedoch nur um weniger als acht Prozent reduziert. Die Dekarbonisierung von Verkehr und Industrie ist im Vergleich zum Stromsektor komplexer und kostspieliger.

Deshalb bezieht die EU nun auch den Straßenverkehr und den Gebäudesektor schrittweise in den Emissionshandel ein. Darüber hinaus plant die Kommission, die CO₂-Flottengrenzwerte für Pkw deutlich zu verschärfen.

Achillesferse Schiffstransport

Und genau hier setzt das Projekt an: Es nutzt saubere Windenergie, um zunächst grünen Wasserstoff zu produzieren. Mit Porsche hat Siemens einen Partner aus der Automobilindustrie gewonnen. Das E-Benzin geht erst einmal an spezielle Autofreaks. Porsche plan "Einsatz in Fahrzeugen des Motorsports und perspektivisch in den Porsche Experience Centern und bei Fahrzeugen im Bestand", schilderte Eisfelder, "In der Pilotphase werden bereits 2022 etwa 130.000 Liter eFuels erzeugt. In zwei Schritten soll die Kapazität dann bis 2024 auf rund 55 Millionen Liter eFuels und bis 2026 auf rund 550 Millionen Liter eFuels pro Jahr gesteigert werden."

Der Transportweg per Schiff müsse noch weiter dekarbonisiert werden, gibt Eisfelder zu. Er berichtet von Anstrengungen, um e-fuels (grünes Methanol oder e-ammonia) als Treibstoff für Schiffe zu nutzen. Unabhängig davon biete das aus Wind und Wasser gewonnene e-fuel aus Chile bereits heutige die Möglichkeit, den CO2-Fußabdruck im Vergleich zu konventionellem Benzin um mehr als 90% zu reduzieren. Siemens errechnet, dass die Produktionsmenge 2026 genug sei, damit eine Million Menschen für fast ein Jahr mit ihrem Auto fahren können.

Methanol als Vorprodukt für den Treibstoff ist eine universelle chemische Verbindung, die heute noch aus Kohle und erdgasbasiertem Synthesegas (H₂ und CO) hergestellt wird. Es wird in großen Mengen – mehr als 98 Millionen Tonnen im Jahr 2019 – vor allem als Ausgangsstoff für Chemikalien (80 %) und in kleineren Mengen als Energieträger (20 %) verwendet. Nachhaltig oder "grün" wird es, wenn aus erneuerbarem Wasserstoff entweder biologisches (Bio-Methanol) oder elektrochemisches E-Methanol und CO₂ hergestellt werden, wie bald in Chile.

Grünes Methanol

Die Basis dafür ist einfache Chemie. Das Wasser wird mit Hilfe der Windenergie in Wasserstoff und Sauerstoff aufgesplittet. Der Wasserstoff wird dann versetzt mit CO2, welches in Chile direkt der Luft entzogen und gespeichert wird. Das Ergebnis ist sogenanntes E-Methanol, wobei das "E" für die in der Produktion verwendete "Energie" steht.

Viele Gebiete und ihre Bevölkerung auf der ganzen Welt könnten davon profitieren – darunter Wüstengebiete, die keine grüne Energie aus Biomasse produzieren können, windige Regionen ohne oder mit geringer industrieller Entwicklung sowie erdölexportierende Länder, die nach neuen Geschäftsmöglichkeiten suchen. Länder wie Deutschland werden nicht in der Lage sein, eine Energiewende zu erreichen, die vollständig auf lokalen erneuerbaren Energiequellen basiert. Deshalb sind Projekt auf anderen Kontinenten wie in Chile von strategischer Bedeutung.

Der Name Hari Oni stammt übrigens aus der Sprache der Ureinwohner in Patagonien und bedeutet "Starker Wind". Das soll die Beziehung zu diesem wichtigen Standortfaktor des Projekts darstellen: Die hohe Verfügbarkeit einer schier unerschöpflichen erneuerbaren Primärenergie – Windkraft.

Studie: Elektroautos verbrauchen deutlich weniger Rohstoffe als Verbrenner

Eine Batterie für ein Elektroauto benötigt mit Recycling insgesamt 30 Kilogramm Rohstoffe, ein durchschnittlicher Benziner schluckt 17.000 Liter Sprit.

01.03.2021/ Von Stefan Krempl / heise online

Die Dachorganisation europäischer Verkehrsverbände Transport & Environment (T&E) verweist in einer am Sonntag veröffentlichten Studie auf die Schwächen des derzeitigen, hauptsächlich auf Fahrzeugen mit fossilen Verbrennungsmotoren beruhenden Straßenverkehrssystems rund um Aspekte wie Umwelt- und Klimaschutz, Rohstoffversorgung und Energiekosten. Die Elektromobilität schneide hier deutlich besser ab.

Während seiner Lebenszeit verbrennt ein konventionelles Auto durchschnittlich rund 17.000 Liter Benzin oder 13.500 Liter Diesel, rechnet die europäische Dachorganisation von Verbänden aus dem nachhaltigen Verkehrsbereich wie dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) vor. Reihe man diese Ölfässer aneinander, ergäben sie einen 70 bis 90 Meter hohen Turm. Die Metalle, die in Batteriezellen für E-Fahrzeuge verwendet werden, wögen dagegen etwa 160 Kilogramm. Berücksichtige man das Recycling der benutzten Materialien, gingen für eine durchschnittliche Batterie etwa 30 Kilogramm Metalle verloren, was der Größe eines Fußballs entspreche.

Recycling

Nicht verwertbar sind laut der Analyse etwa 1,8 Kilogramm Lithium, 400 Gramm Kobalt und 1,4 Kilogramm Nickel. Das Gewicht des Benzin- oder Dieselkraftstoffs sei so etwa 300- bis 400-mal höher als die Gesamtmenge der Batteriezellenmetalle, die nicht zurückgewonnen werden. Der Abstand werde sich weiter vergrößern, da technologische Fortschritte die Menge an Lithium, die für die Herstellung einer EV-Batterie nötig ist, in den nächsten zehn Jahren um die Hälfte reduzierten. Die benötigte Menge an Kobalt dürfte um mehr als drei Viertel und die an Nickel um etwa ein Fünftel sinken.

Die Autoren schätzen, dass 2035 mehr als ein Fünftel des Lithiums und 65 Prozent des Kobalts, die für die Produktion eines neuen Auto-Akkus benötigt werden, aus dem Recycling stammen. Die entsprechenden Quoten, die die EU-Kommission vorgeschlagen habe, reduzierten den Bedarf an neuen Materialien für Elektrofahrzeuge deutlich. Konventionelle Autos könnten da nicht mithalten.

Batterieproduktion in Europa

Europa wird der Untersuchung zufolge schon in diesem Jahr genug Batterien produzieren, um seinen eigenen Markt für E-Mobilität zu versorgen. Für das nächste Jahrzehnt seien 22 einschlägige Gigafabriken mit einer Gesamtproduktionskapazität von 460 GWh im Jahr 2025 geplant, was für den Antrieb von rund acht Millionen Elektroautos reiche. Damit könnten auch etwa 100.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Die Experten gehen davon aus, dass Deutschland in Europa eines der wichtigsten Zentren dieser wachsenden Industrie wird. Hierzulande seien mehrere Standorte für die Batteriezellenproduktion geplant oder im Bau, zu denen die Fabrik von Tesla in Brandenburg und das Werk von Volkswagen und Northvolt in Salzgitter gehört. Die deutsche Wirtschaft befürchtete 2017 einen Rohstoffengpass für Batterien. T&E sieht hier die Verfügbarkeit wichtiger Metalle in den kommenden Jahrzehnten nicht eingeschränkt.

Agrarministerin Julia Klöckner erlaubt Notzulassungen für Insektizide / Tierschützer sind entsetzt

Kreisanzeiger / Mittwoch, 27.01.2021
Von Ulrich Gerecke

BERLIN/MAINZ. Ärger mit Umweltschützern ist für Julia Klöckner nichts Neues. Derzeit aber bläst der CDU-Bundeslandwirtschaftsministerin der Wind besonders heftig ins Gesicht. „Wer der Biene derart schadet, gehört abgewählt“, sagt Johann Lütke Schwienhorst, Agrarreferent der Aurelia Stiftung. Zusammen mit dem Deutschen Imkerverband und jenem aus Rheinland-Pfalz, Klöckners Heimat, fordert Aurelia eine Kehrtwende.

Konkret geht es um den Wirkstoff Thiamethoxam, das bis Herbst 2018 im Zuckerrübenanbau gegen Vergilbungsviren eingesetzt wurde. Der Karlsruher Biologe Robert Trusch stuft Thiamethoxam als für Insekten 10 000 Mal tödlicher ein als DDT. Wenn es im Zuckerrübenanbau ins Saatgut kommt, blieben seine Abbauprodukte bis zu 30 Jahren im Boden. Tödliche Gefahr für Insekten, insbesondere Bienen und Schmetterlinge.

Nun ist das verbotene Teufelszeug wieder da, und Klöckner sieht sich wie schon öfter (Stichwort: Nestlé) dem Vorwurf zu großer Wirtschaftsnähe ausgesetzt. Kurz vor Weihnachten – böse Zungen sagen: im Schatten der Corona-Pandemie – haben Klöckner und das Bundesamt für Verbraucherschutz den Weg für den Einsatz von Thiamethoxam wieder frei gemacht. Zwar nur als Notfallzulassung, also regional und zeitlich begrenzt unter strengen Auflagen, aber das ist Umweltschützern schon zu viel.

Weil die Vergilbungsviren derzeit wüten, wird diese Hintertür auch gern genutzt. Seit Jahresbeginn hat das Bundesamt sieben Notfallzulassungen bis 30. April für das Mittel Cruiser 600 FS gewährt, das Thiamethoxam enthält. Drei davon gelten für die Südzucker AG, unter anderem im pfälzischen Offstein.

Die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen wirft Klöckner nun „Tricksereien“ und Einknicken vor der Agrarlobby vor: „Mit Thiamethoxam gebeizte Rübensamen sind nach dem Auskeimen noch über lange Zeit so giftig, dass alle Blattläuse und auch andere Insekten, die sich an den wachsenden Rübenpflanzen vergehen, tot umfallen.“ Klöckner sagt dagegen, sie habe dem Druck widerstanden, Thiamethoxam pauschal wieder zu erlauben: „Wir müssen Bienen schützen und Ressourcen schonen und Ernten sichern. Das geht aber nicht mit Freibriefen. Deshalb wird es mit mir keine pauschale Notfallzulassung von diesen Pflanzenschutzmitteln geben.“

Zudem verweist ihr Sprecher auf strenge Auflagen: So dürfen maximal 35 Prozent der früher zugelassenen Thiamethoxam-Menge je Saatguteinheit eingesetzt werden. Herstellung und Aussaat würden überwacht, nach der Ernte dürfen auf den behandelten Feldern nur Folgekulturen wachsen, die keine Bienen anlocken. Die Einhaltung müssten die Länder „strikt überprüfen“. Laut Interessenverband der Zuckerrübenindustrie („Wirtschaftliche Vereinigung Zucker“) gelten die Notfallzulassungen nur für ein Drittel der deutschen Anbauflächen.

Landwirtschaftsministerium und Verband beziffern den drohenenden Ernteausfall durch Vergilbungsviren auf 30 bis 50 Prozent. Deshalb, so Klöckners Haus, hätten Bundesländer verschiedenster politischer Couleur Notfallzulassungen für Neonikotinoide (hierzu gehört Thiamethoxam) gewünscht, unter anderem auch die Agrarminister aus Rheinland-Pfalz (Volker Wissing/FDP) und Hessen (Priska Hinz/Grüne). Dass der Wirkstoff für Bienen gefährlich ist, bestreitet der Rüben-Verband nicht. Allerdings werde Thiamethoxam als Beizmittel eingesetzt, also „in das Saatgut eingebracht und mit einer Schutzschicht ummantelt“, sodass es nicht in die Umwelt kommt. Eine wirksame Alternative gebe es derzeit nicht.

Während Klöckners Ministerium die Erforschung alternativer Diagnosemethoden und virusresistenter Rüben vorantreiben will, kritisiert Biologe Trusch Klöckners Kurs als halbherzig: „Wir wissen genug, um zu handeln!“ Er und die Deutsche Umwelthilfe werfen Klöckner vor, das seit September 2019 beschlossene Insektenschutzgesetz zu verschleppen: „Anstatt den Einsatz von Pestiziden endlich zu reduzieren, versucht die Landwirtschaftsministerin, mit allen Mitteln weitere Ausnahmen zuzulassen.“ Jetzt fordern sie in einer Petition, das Insektenschutzgesetz auf den Weg zu bringen. Fast 165 000 Menschen haben unterschrieben.

"Now" von Jim Rakete und Claudia Rinke

In seinem engagierten Kinodebüt trifft der Kult-Fotograf auf sechs junge Klimarebellen der Generation Greta. Darunter Luisa Neubauer (Fridays for Future), Felix Finkbeiner (Plant for the Planet) und Nike Mahlhaus (Ende Gelände). Warum sind sie Klimaaktivisten geworden? Was steht auf dem Spiel? Die von Drehbuchautorin Claudia Rinke erdachte Doku erzählt von einer neuen, weltweiten Bewegung. Die Jugend hinterfragt, misstraut und rebelliert. Denn die Zukunft ist massiv bedroht durch globale Erwärmung, Ausbeutung fossiler Bodenschätze und Umweltverschmutzung. Gemeinsam machen sie das Jahr 2019 zum Jahr ihres Protests. Ganz bewusst – damit die Jugend von heute auch morgen eine Zukunft hat. Support gibt's von Punk-Legende Patti Smith, Autorenfilmer Wim Wenders und vielen mehr.

Aufgrund des anhaltenden Lockdowns, musste der Kinostart von Klima-Doku NOW von Jim Rakete und Claudia Rinke schweren Herzens verschoben werden!

Falls auch Ende Januar die Kinos noch geschlossen sind soll die Doku auf www.vod.wfilm.de zum Ausleihen für 7,99 € gezeigt werden.

Ein Trailer gibt es jetzt schon unter https://www.youtube.com/watch?v=zVPZffOlsak&feature=emb_imp_woyt

Schutz vor Hochwasser

KA / 11.01.2021

Calbacher bauen in Eigeninitiative acht kleine Rückhaltebecken, eine neue Querrinne und verändern das Profil von Wegen

CALBACH (ten). Seit Jahrzehnten wird in Büdingen über Hochwasserschutz und Großprojekte wie ein Rückhaltebecken am Hammer diskutiert. Ohne großes Aufsehen hat derweil Calbach seinen eigenen Schutz vor Wassermassen, die bei starkem Regen die Hänge herabströmen, verbessert. Kleine, in die Natur eingebettete Maßnahmen sollen das Wasser vom Dorf fernhalten.

Im Herbst 2018 hatte der Forstingenieur Wolfgang Busch im Ortsbeirat eine ehrenamtlich erarbeitete Analyse zu Gefahren für Calbach durch Sturm und Hochwasser sowie möglichen Schutzmaßnahmen vorgestellt. Dabei wies er auf die Lage des Dorfes, das an zwei Seiten von steilen Hängen umgeben ist, hin. Durch großflächige Bewirtschaftung, in Rohren gefasste Bäche und befestigte Wege werde das Problem verstärkt. Durch insgesamt acht neue Rückhaltebecken, vor allem im städtischen Wald und Verbesserungen in der Wasserführung könne die Gefahr, dass bei Starkregen große Wassermassen in das Dorf laufen und Keller und Garagen überfluten, verringert werden, erläuterte Busch. Rund 21 500 Euro sollten die Maßnahmen, die teilweise in Eigenleistung der Bürger umgesetzt wurden, kosten. Ergänzend sollen den Bürgern Hinweise gegeben werden, wie sie durch bauliche Maßnahmen an ihren Häusern zusätzlichen Schutz bekommen.

Am Anfang stand die Analyse, wo sich an den Hängen um Calbach bei starken Regenfällen größere Wassermassen sammeln, die von der Kanalisation im Dorf nicht mehr aufgenommen werden können. Vier Bereiche, davon zwei im Wald im Osten des Dorfes, einer im Wald zwischen Düdelsheim und Calbach und ein weiterer im Feld Richtung Himbach sind die wichtigsten Ausgangspunkte für Hochwasserrisiken. Nur in einem der vier Bereiche gab es bisher Rückhaltemaßnahmen.

In seiner Analyse stellte Busch fest, dass einige Risiken hausgemacht sind. So strömte bei Regen oft sehr viel Wasser den Himbacher Weg hinab in das Dorf. Mit Bau und Befestigung des Weges war ein künstliches Bachbett entstanden, dass bei Starkregen zu Überflutungen in Calbach führte.

Deshalb war eine der ersten Maßnahmen, das Wasser vor dem Dorf durch eine gepflasterte Querrinne in dem Weg, die die Calbacher in Eigenleistung bauten, ab- und auf angrenzende Wiesen zu leiten.

Auch im Wald wurde das Profil von Wegen verändert, um einen gezielteren Abfluss des Wassers zu erreichen. Dazu wurden acht weitere Rückhaltebecken angelegt. Angesichts der Mengen an Material, die hierbei bewegt werden mussten, stieß das Konzept der Eigenleistung allerdings an Grenzen. Dennoch wurden auch beim Bau der Rückhaltebecken durch die gute Zusammenarbeit mit Revierförster Clemens Fischer und Ortsvorsteher Frank Lämmchen sowie örtlichen Unternehmen und der ausführenden Firma Hahn die Kosten gering gehalten. So stellte Marcel Glock allein 200 Tonnen Schieferton zur Abdichtung der Rückhaltebecken zur Verfügung. Von den 20 000 Euro, die im Haushalt der Stadt für die Umsetzung des Konzepts eingestellt worden waren, wurden, auch weil durch die Zusammenarbeit keine Planungskosten anfielen, letztlich nur rund 17 000 Euro benötigt. Von diesem eingesparten Geld sollen eventuell noch zwei Ergänzungsmaßnahmen finanziert werden.

„Wir haben keine Teiche hergestellt, darüber muss man sich im Klaren sein“, betonen die an der Umsetzung Beteiligten, dass die Rückhaltebecken sich nur bei stärkeren Niederschlägen mit Wasser füllen sollen. Trotzdem bilden sie letztlich Biotope. Fischer weist in diesem Zusammenhang auf ein weiteres deutlich größeres Biotop in der Pfingstweide hin, das ebenfalls in Zusammenhang mit den Wasserrückhaltemaßnahmen angelegt worden sei. Er dankt insbesondere dem Ortslandwirt Lutz Crispens, der einen Acker für eine verbesserte Wasserführung, die trotzdem noch die Bewirtschaftung zulässt, zur Verfügung gestellt hat.

Die Versäumnisse der Jäger

von Martin Häusling
Frankfurter Rundschau 23.12.2020

Beim Jagen sollte nicht nur die Tierwelt im Blick stehen. Auch Wald und Bäume müssen geschützt werden. Der Gastbeitrag von Biobauer Martin Häusling.
Heilig Abend 1971: Als Kontrastprogramm zum O-Tannenbaum-Gedudel setzten mutige Fernsehmacher der ARD eine Dokumentation auf den Sendeplan, die das Fernsehpublikum damals schockierte und die in der Aussage gipfelte: Das gefräßige Reh- und Rotwild macht unseren Wald kaputt.
Die Reportage des Journalisten Horst Stern ist bis heute aktuell. Mehr noch: Da ein überkommenes Jagdgesetz aus der Nazi-Zeit, das in zentralen und immer noch gültigen Formulierungen aus dem Haus von Reichsjägermeister Hermann Göring stammt, weiter die Grundzüge der Jagd bestimmt, wird sich an überhöhten Wildbeständen so schnell auch nichts ändern.
Der Wald leidet extrem unter dem Klimawandel, doch eine Jäger-Lobby versteht es, ihrem Jagd-Hobby auf Kosten der Allgemeinheit zu frönen. Irritierende Begriffe aus Paragraf eins des Bundesjagdgesetzes, wie Hege und Weidgerechtigkeit, verleiten uneinsichtige Jäger weiter dazu, im Wald alles der Jagd und der Zucht respektabler Geweihe, den Trophäen, unterzuordnen – statt die Jagd als das zu betrachten, was sie ist: Nebennutzung und Regulativ, um das Fehlen von Beutegreifer auszugleichen. Aus falsch verstandener Hege schädigen Reh- und Rotwild den Wald und gefährden ihn zum dringend benötigen Schutz des Klimas.
Der Wald soll „im Wesentlichen“ natürlich und ohne Schutz nachwachsen. Das gibt Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) als Ziel ihrer Jagdnovelle aus. Sie wird es mit den wenigen Instrumenten, die sie ausgibt, wie etwa den durchaus sinnvollen Mindestabschuss beim Reh, nicht erreichen.
Sie duckt sich vor der Lobby der Jäger, riskiert keinen Streit mit ihrem Stammwählerkreis. Deshalb fällt kein Wort zum Rotwildproblem, kein Wort zur schwachen Rolle der Grundeigentümer, die den angerichteten Schaden dulden müssen. Kein Wort zu historisch fragwürdigen Kern-Begriffen und kein Wort auch zur viel zu langen Liste jagdbarer Arten.
Warum ist die Jagd auf Rebhühner, die am Rand des Aussterbens stehen, immer noch erlaubt? Warum ist die Hasenjagd statthaft in einer Pestizid-belasteten, artenarmen Kulturlandschaft? Das dürfen wir nicht länger zulassen. Da der Klimawandel die Lebensbedingungen für Reh und Hirsch im Wald weiter verbessert, denn es entstehen mehr Freiflächen mit Äsungmöglichkeiten, wachsen die Populationen weiter. Die Folge: Der Verbiss junger Bäumchen, das Schälen der Rinde sowie das Fegen des Geweihs am Stamm führt zu hohen, durch die Jagdpacht nie gedeckten Schäden.
Der im Klimastress stehende Wald wird zusätzlich geschwächt. Das darf nicht sein. Obendrein kommen jene Schäden, die das scheue, eigentlich aus der Steppe und nicht dem Wald stammende Rotwild an der Begleitvegetation im Wald und nachts auf umliegenden Feldern anrichtet.
In dieser Situation ist es umso bedauerlicher, dass die wahren Bestandszahlen regelmäßig kleingerechnet werden. Nur nicht zu viel schießen, sonst könnte beim nächsten Ansitz nichts vors Gewehr laufen. Viele, zum Glück nicht alle, Jäger glauben, mit der Jagdpacht vor allem im teuren Rotwildrevier auch den möglichst oft einzulösenden Anspruch auf einen kapitalen Hirsch erkauft zu haben, ohne zu berücksichtigen, dass dies aus biologischen Gründen ein enormes, oft zu großes Rudel im Hintergrund erfordert.

Erhaltung und Schaffung weitgehend natürlicher Waldgesellschaften müssen gerade in Zeiten des Klimawandels Priorität haben. Daran muss sich auch und gerade die Jagd orientieren.
Das bedeutet: Die Jagd ist grundsätzlich an der vorhandenen und der potenziell natürlichen Vegetation auszurichten. Dazu zählen nicht nur die Hauptbaumarten wie Buche, Fichte, Kiefer und die angesichts steigender Temperaturen künftig wichtiger werdende Eiche, sondern auch die anderen Pflanzen des örtlichen Waldökosystems.
Die von Ministerin Klöckner vorgeschlagenen Formulierungen zur Naturverjüngung sind viel zu ungenau. Nötig wäre, dass die „standortgerechte“ Waldverjüngung Priorität bekommt, und die setzt sich aus vielen Pflanzenarten zusammen.
Es muss klar sein: Nicht das Wild braucht den Schutz des „hegenden Jägers“, sondern naturnahe Wälder brauchen ihn. Die vielen Zäune und Plastikhüllen im Wald beweisen, dass die Situation nicht tragbar ist. Nur in einer Kulturlandschaft, in der sich der Wald ohne diese „Hilfsmittel“ entwickeln kann, wird verantwortungsvoll gejagt.

Martin Häusling ist Biobauer aus Nordhessen und seit 2009 Mitglied des Europäischen Parlament. Dort ist er der agrarpolitische Sprecher der Fraktion die GRÜNEN/EFA. Er hat ein Diskussionspapier Jagd erarbeiten lassen: https://gruenlink.de/1wb3

Die Hitliste der Wassersparer

Landbote / 5. JANUAR 2021 

Von Klaus Nissen

Die größte Stadt und die kleinste Gemeinde der Wetterau haben eins gemeinsam: Ihre Bevölkerung verbraucht viel mehr Wasser als die anderen Menschen im Kreis. Das Regierungspräsidium Darmstadt gab eine Statistik über den Wasserverbrauch und die Leitungsverluste der 25 Wetterauer Kommunen heraus.

130 Liter Wasserverbrauch am Tag sind zuviel

Die Menschen in Ranstadt wissen wohl nicht, dass sie leuchtende Vorbilder sind: Niemand verbraucht weniger Trinkwasser als die 5000 Frauen, Männer und Kinder der Landgemeinde. Gerade mal 102 Liter pro Tag und Kopf zapften sie im Jahr 2019 aus ihren Hähnen. Im Wetterauer Durchschnitt flossen dagegen 119 Liter, berichtet das Darmstädter Regierungspräsidium. In ganz Südhessen verbrauchten die Bürgerinnen und Bürger 2019 im Schnitt sogar 127 Liter Trinkwasser am Tag – zwei Liter weniger als 2018. Die großen Städte waren noch durstiger – dort flossen im Schnitt 137 Liter pro Kopf und Tag, so der RP-Sprecher Christoph Süß.

In der Hitliste der Wetterauer Wassersparer folgt auf Ranstadt die Gemeinde Rockenberg mit 105 Litern, dicht gefolgt von Altenstadt, Münzenberg, Wölfersheim und Ober-Mörlen mit jeweils 106 Litern pro Einwohner und Tag. In diesen Kommunen versickert auch wenig Trinkwasser aus undichten Rohren in den Boden. In der Regel sind es nicht ganz zehn Prozent des gesamten Trinkwassers im Netz. In Altenstadt gehen beispielsweise 60 Liter pro Rohr-Kilometer und Stunde ins Erdreich verloren.

Recht weit vorn auf der Hitliste stehen aus der östlichen Wetterau auch Glauburg und Hirzenhain mit einem Wasserverbrauch von 109 und 110 Litern pro Einwohner und Tag. In Glauburg ist freilich das Rohrnetz doppelt so löchrig wie etwa in Altenstadt. 130 Liter pro Rohrkilometer und Stunde fließen in Glauburg rund um die Uhr in den Untergrund.

Jeder Bad Vilbeler verbraucht im Schnitt 131 Liter

Sehr gut im Wassersparen sind auch die Menschen in Florstadt mit einem Verbrauch von 112 Litern pro Kopf und Tag, Ortenberg (113 Liter), Büdingen und Gedern (114), Nidda (117), Limeshain (119). Höher als in allen anderen Wetterauer Kommunen ist der Pro-Kopf-Verbrauch in Kefenrod. Dort rauschen täglich 178 Liter für jeden der 2753 Einwohner durch das Rohr. Obwohl Kefenrod die kleinste Gemeinde im Kreis ist, verbrauchte sie anno 2019 mit 230 000 Kubikmetern deutlich mehr Wasser als die größeren Kommunen Glauburg und Hirzenhain.

Auch die größte Wetterau-Kommune Bad Vilbel steht in der Wasserbilanz schlecht da. Jeder der 34000 Einwohner zapfte pro Tag im Schnitt 131 Liter Trinkwasser. Dort ist auch das Leitungsnetz fast so löchrig wie in Kefenrod. In Bad Vilbel versickerten 180 Liter pro

Rohrkilometer, in Kefenrod sogar 190 Liter.

<< Nicht hübsch, aber wassersparend: Diese Tonne nimmt in einem Wetterauer Garten das von der Terrasse abfließende Regenwasser auf. Früher reichten die 150 Liter, um bei Trockenheit die Küchenkräuter zu wässern. Seit der Dürre von 2018 bunkert der Gartenbesitzer zusätzlich das vom Dach abfließende Wasser in zwei Kubikmeter-Containern. Foto: Nissen

Alle Wetterauer zusammen verbrauchten im Vor-Corona-Jahr die gewaltige Menge von 17,45 Millionen Kubik-metern Trinkwasser. Jeder Kubikmeter entspricht tausend Litern. Davon holten die Städte und Gemeinden laut RP-Statistik aus eigenen Quellen knapp 5,3 Millionen Kubikmeter. Während die Stadt Büdingen sich ganz aus eigenen Quellen versorgte, decken vor allem die Stadt Nidda und die Kommunen der mittleren und westlichen Wetterau ihren Wasserbedarf zum größten Teil aus den OVAG-Leitungen. Der weitaus größte Teil des Trink-wassers wird von Privatleuten verbraucht. Das Gewerbe bezog zum Beispiel in Büdingen „nur“ 151 000 von 1,07

Millionen Kubikmetern Wasser.

Insgesamt geht der Wasserverbrauch pro Kopf seit der Jahrtausendwende langsam zurück. Im aktuellen Corona-Jahr stieg er ab März freilich wieder an. Christoph Süß vom Regierungspräsidium: „Die ‚Lockdowns‘ und Kontaktbeschränkungen haben erheblichen Einfluss vor allem auf die Pendlerströme und das Freizeitverhalten, so dass vor allem in den Wohngebieten im Umland der großen Städte zeitweise ungewöhnlich hohe Verbrauchszahlen gemessen wurden.“

In der Corona-Zeit wird mehr Wasser gezapft

Der regionale Wasserversorger OVAG lieferte im abgelaufenen Jahr 2020 etwa 1,5 Prozent mehr Wasser in die Haushalte als 2019, sagt Vorstandschef Joachim Arnold. Sogar um zwei Prozent stieg der Wasserabsatz im zweiten Quartal 2020, als viele Arbeitnehmer daheim ihre Homeoffices einrichteten und nicht mehr in Frankfurt die Kaffeemaschinen und Toiletten nutzten.

Der Mehrverbrauch mache ihn nicht froh, verdeutlicht Arnold. Denn die Förderkapazität aus den 21 eigenen Brunnen sei begrenzt. Auf einen zusätzlichen Wasserverbrauch „ist das System in dieser Situation gar nicht ausgelegt“, so der OVAG-Chef. 2019 habe man 32 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus dem Boden entnommen (davon rund 14 Millionen Kubikmeter in Inheiden) und zusammen mit weiteren 3,8 Millionen Kubikmetern aus Mittelhessen in den südhessischen Raum geliefert.

In Zukunft kann nur weniger aus dem Boden geholt werden

Diese großen Mengen werde man im Jahr 2021 nicht mehr erreichen. Denn in den letzten fünf Jahren habe es nur eins mit überdurchschnittlichen Niederschlägen gegeben. Auch die letzten relativ feuchten Wochen füllen die Grundwasserpegel in Vogelsberg und Wetterau nicht wesentlich auf, sagt Joachim Arnold. „Es reicht nicht aus. Es wird Zeit, dass wir ein verschärftes Bewusstsein für den Wert unseres Wassers bekommen.“

Über einen höheren Preis kann man die Nachfrage nicht drosseln, meint der OVAG-Vorstand. Es sei rechtlich nicht möglich, weit mehr als etwa 1,70 Euro für tausend Liter Trinkwasser zu kassieren. Zumal auch zehn Cent zusätzlich nicht unbedingt zum Wassersparen anreizen würden.

Neue Wasserampel zeigt die Verfügbarkeit an

Arnold setzt mehr auf die Wasserampel, die auf www.ovag.de ab jetzt für drei Monate im Voraus die Wasser-Verfügbarkeit signalisiert. Bis in den März hinein steht sie auf Gelb. Schon bei Grün müssten die kommunalen Kunden ihre Wasser-Abnahme beschränken, sagt Arnold. In den Verträgen gebe es dafür diverse Abmachungen. Nötig sei, dass auch Städte und Gemeinden die Menschen dazu bewegen, die Gärten nicht mit Leitungswasser zu beregnen. Man brauche mehr Zisternen und Tonnen, die das Wasser vom Dach für durstige Pflanzen und die Toilettenspülung vor Ort nutzen.

Interkommunale Landesgartenschau: Kommission soll Anfang Februar in die Region kommen / Fragezeichen wegen Corona

Von Oliver Potengowski
KA / 09.01.2021

REGION. Zwei Tage im Februar werden wesentlich darüber entscheiden, ob es 2027 eine interkommunale Landesgartenschau Oberhessen geben wird. In einem Monat wird sich eine Kommission des Landes Hessen vor Ort die Vorstellungen der Region erläutern lassen. Besondere Herausforderungen sind neben der Vielzahl der Kommunen der Termin im Winter und die Organisation einer Präsentation unter Corona-Bedingungen.

Henrike Strauch, Vorsitzende des Vereins Oberhessen, ist skeptisch, ob die für den 9. und 10. Februar angekündigte Reise der Kommission durch die Region stattfinden kann. „Ich sehe das wegen des verlängerten Lockdowns kritisch“, erklärt sie im Gespräch mit dem Kreis-Anzeiger. Zwar habe das Land Hessen die Kommission schon auf fünf Mitglieder aus Umweltministerium, Gartenbauverband, Landschaftsarchitekten und Landwirtschaft beschränkt. Sie sollen auch nicht in einem Bus durch Oberhessen reisen, sondern in einzelnen Autos, erläutert Florian Herrmann, Projektleiter beim Verein Oberhessen. Dennoch hält es Strauch für fraglich, ob die Rundreise selbst unter diesen Bedingungen stattfinden könne. Letztlich werde es sich wohl kurzfristig anhand der Infektionszahlen des Robert-Koch-Instituts Ende Januar entscheiden, vermutet sie.

Sollte der Besuch der Kommission in Oberhessen abgesagt werden, hofft sie auf eine Verschiebung auf einen späteren Termin. „Ich fände es sehr schade, wenn man die Region in digitaler Form vorstellen müsste“, erklärt sie. Denn gerade die sinnlichen Eindrücke von Landschaft, Natur, Kommunen und Menschen seien wichtig, um einen Eindruck vom Potenzial Oberhessens für eine Landesgartenschau zu bekommen. „Es ist wirklich etwas anderes, wenn ich im Schnee über den Hoherodskopf laufe und die Altstadt von Büdingen in der Dämmerung erlebe“, stellt Strauch fest.

Damit spricht sie auch die Chance an, die der Termin im Februar bietet. Denn das Winterwetter in diesen Wochen lässt die klimatischen Unterschiede der Region deutlich werden. Dadurch werde auch die Vielfalt Oberhessens noch einmal betont, ergänzt Kerstin Alt von der Wirtschaftsförderung der Stadt Nidda. Gegenüber den Städten, die sich ebenfalls um die Landesgartenschau 2027 bewerben, sei die Kommissionsreise im Februar deshalb ein Vorteil. Während in den Tälern vielleicht schon die ersten Krokusse aus dem Boden kämen, könnten die Berggipfel noch tief verschneit sein.

Dieser Vielfalt der Region trägt das Land Hessen durch die Dauer des Besuchs der Kommission Rechnung. Während sich diese gewöhnlich nur für zwei Stunden die Bewerberkommunen ansieht, sind für Oberhessen insgesamt sechs Stunden an zwei Tagen mit Übernachtung eingeplant. Dennoch ist sich Herrmann bewusst, dass auch diese Zeit nicht annähernd ausreichen wird, um alle elf Kommunen zu besuchen, die sich an der Landesgartenschau Oberhessen beteiligen wollen.

Deshalb hat er für die beiden Tage eine Rundreise konzipiert, die am Nachmittag des 9. Februar in Büdingen starten soll. Es gibt einen straffen Zeitplan, der als weitere Stationen für den Dienstag die Keltenwelt am Glauberg und das Nabu-Haus in den Salzwiesen bei Selters vorsieht. Nach der Übernachtung in Nidda sollen am Mittwochvormittag Bad Salzhausen, Schotten, der Hoherodskopf sowie in Gedern der See und abschließend das Schloss mit Park und umliegenden Flächen besichtigt werden.

Etwas mehr Zeit ist am Dienstag für eine Besichtigung des Hofguts in Ranstadt eingeplant. Es wird als zentraler Punkt der Landesgartenschau Oberhessen in der Machbarkeitsstudie dargestellt. „Das Land Hessen kennt natürlich auch die Verhältnisse“, räumt Herrmann ein, dass es Nachfragen gegeben habe, inwiefern das Gelände in der Ortsmitte von Ranstadt für die Landesgartenschau genutzt werden könne. Strauch erklärt, dass man diese Unsicherheit offen ansprechen werde. „Man sollte die Alternativen im Blick haben“, sagt sie und weist darauf hin, dass es auch denkbar sei, Bad Salzhausen als zentralen Ort der Landesgartenschau zu wählen.

„Die Herausforderung ist, die potenziellen kommunalen Projekte aus der Machbarkeitsstudie gemeinsam mit der Durchführungsstrategie nachvollziehbar und gebündelt zu präsentieren“, erläutert Herrmann. „Daher sind weniger, aber dafür inhaltlich wertvollere Haltepunkte notwendig.“ Dazu hatte er ursprünglich auch überlegt, während der Busfahrt zwischen den einzelnen Stationen den Mitgliedern der Kommission auch weitere Kommunen, die nicht besucht werden können, zu präsentieren. Angedacht war, sie auf Tablets in Filmen darzustellen. Da die Rundreise jetzt voraussichtlich mit einzelnen Autos stattfinden wird, ist das nicht mehr möglich. „Das macht es für uns logistisch nicht einfacher“, sagt er und deutet damit die Aufgabe an, einen Tross von mehreren, teilweise ortsunkundigen Fahrern durch die Region zu führen.

Trotz aller Ungewissheiten und Schwierigkeiten nimmt Herrmann die Herausforderung an, der Kommission eine überzeugende Präsentation für eine Landesgartenschau Oberhessen zu bieten. „Neben all den sachdienlichen Informationen soll natürlich auch ein positiver Eindruck bleiben“, betont Herrmann. Bei früheren Bewerbungen von Kommunen sollten Vereine oder Chöre einen Eindruck von den Bürgern vermitteln und dass die hinter der Bewerbung stehen. Dieses Potenzial kann die Region wegen der Corona-Beschränkungen voraussichtlich nicht ausspielen. Herrmann überlegt deshalb, spielerische Elemente einzubinden, zum Beispiel aus thematischen Stadtführungen. Ob es der Region gelingt, mit ihrer Idee für eine interkommunale Landesgartenschau zu überzeugen, wird die Entscheidung des Landes im Frühsommer zeigen.

Der Naturschutzfonds Wetterau e. V. hat zum Ziel, die typische Landschaft im Wetteraukreis mit den dazu gehörenden Öffnet internen Link im aktuellen FensterLebensräumen und ihren Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und weiter zu entwickeln.

Zu den Mitgliedern des Naturschutzfonds gehören neben dem Wetteraukreis die Städte und Gemeinden im Kreisgebiet, die Naturschutzverbände und örtlichen Naturschutzgruppen, der Bauernverband, regionale Unternehmen und viele Einzelpersonen.

Im Vorstand des Vereins sind Naturschutzverbände, Städte und Gemeinden und die Landwirtschaft gleichberechtigt vertreten.

Der Geschäftsführende Vorstand besteht aus:

Vorsitzender: Landrat Jan Weckler (Bereich Kommunen)
Stellv. Vorsitzende: Monika Mischke (Bereich Naturschutz)
Stellv. Vorsitzender: Michael Schneller (Bereich Landwirtschaft)

Der Naturschutzfonds Wetterau arbeitet eng mit den Fachbehörden für Naturschutz, Land-, Forst- und Wasserwirtschaft zusammen.
Dadurch ist sichergestellt, dass einvernehmliche Lösungen zum Wohle der Natur gefunden werden.

Das Aufgabenspektrum des Naturschutzfonds Wetterau:

- Kauf und Anpachtung von Grundstücken für den Naturschutz
- Erstellung von Pflegeplänen und Nutzungskonzepten für eigene und kommunale Flächen
- Organisation und Betreuung von Renaturierungsmaßnahmen an Fließgewässern
- Betreuung von Kompensationsmaßnahmen für Städte und Gemeinden
- Anlage und Renaturierung von Teichen und Tümpeln
- Anlage und Pflege von Streuobstwiesen
- Durchführung von Entbuschungs- und Pflegemaßnahmen auf Magerrasen
- Betreuung von Beweidungsprojekten
- Erstellung von Biotopkartierungen und Verbundplanungen
- Pflanzung und Pflege von Hecken und Feldgehölzen
- Organisation einer regionalen Vermarktungsinitiative für Streuobst
- Umsetzung spezieller Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Arten
- Herausgabe des Naturschutzberichts des Wetteraukreises
- Erstellung von Info-Materialien und Durchführung von Veranstaltungen

https://naturschutzfonds.wetterau.de/home/

UBG will Unterschriften online sammeln

Kreisanzeiger / Mittwoch, 27.01.2021

GEDERN (red). Die UBG begrüßt die von der FWG vorgeschlagene Online-Diskussion zum Thema „Trinkwasserförderung ins Rhein-Main-Gebiet“ (der Kreis-Anzeiger berichtete). „Sie gibt dem Bürger die Möglichkeit, sich aktuell zu informieren“, befindet sie in einer Pressemitteilung. Darüber hinaus möchte die UBG aber noch eine Online-Unterschriftenaktion zum Thema „Neubewertung der Wasserentnahme“ starten. Ihrer Ansicht nach sollte diese Aktion zeitgleich in allen betroffenen Kommunen im Vogelsberg stattfinden. Die Unterschriften könnten die Bürgermeister dann mit dem Antrag auf eine Neubewertung der Entnahmemengen dem Regierungspräsidium (RP) in Darmstadt überreichen.

Denn das RP sei die Genehmigungsbehörde und nicht die Ovag. Diese profitiere von der Genehmigung und könne jährlich 1,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser aus Gedern ins Rhein-Main-Gebiet verkaufen. Die aktuelle Genehmigung gelte bis 2037. Insgesamt habe das RP rund 60 Millionen Kubikmeter Wasser als Fördermenge aus dem Vogelsberg genehmigt.

„Klageweg“

Seit 2015 schreibe das Wasserschutzgesetz vor, die Entnahme von Grundwasser an die jährliche Niederschlagsmenge zu koppeln – „nur was von oben kommt, darf entnommen werden“. Doch in den vergangenen zehn Jahren hätten die jährlichen Niederschlagsmengen nicht mehr den langjährigen Jahresdurchschnitt erreicht. „In den vergangenen drei Jahren herrschte zudem eine extreme Trockenheit“, sagt die UBG. Mit diesen Argumenten müsse die Stadt dem RP gegenübertreten und eine Neubewertung der Fördermengen fordern. „Sollte dieser Forderung nicht entsprochen werden, bleibt nur der Klageweg“, findet die UBG.

Bereits vor zwei Monaten hatte die UBG einen Antrag zur Wasserförderung ins Stadtparlament eingebracht. Einstimmig erteilten die Abgeordneten dem Magistrat den Auftrag, der RP-Genehmigung zur Wasserentnahme aus dem Jahr 2007 zu widersprechen und eine Neubewertung der höchstens zulässigen Mengen zu erreichen. Da fast alle Kommunen im Vogelsberg die Folgen der Grundwasserentnahme für das Rhein-Main-Gebiet spüren, hatte die UBG zudem eine Zusammenarbeit angeregt.

Von Myriam Lenz

KA / 23.01.2021

Nächste Woche tagen die Niddaer Stadtverordneten. Dann werden die Grünen einen Antrag stellen, in der Hoffnung, dass ein schon lang geplantes Projekt endlich umgesetzt wird.

NIDDA - Der Magistrat soll sich mit einem Nahwärmenetz in Wallernhausen beschäftigen. Das beantragen die Grünen für die Parlamentssitzung am Dienstag, 26. Januar, im Bürgerhaus.

Die Frage ist, welche Voraussetzungen sind für die Umsetzung notwendig? Mit den Ergebnissen des Magistrats soll sich im Anschluss der Bauausschuss befassen.

Die Grünen begründen das wie folgt: Schon seit 2012 engagieren sich in Wallernhausen überparteilich viele klimainteressierte Bürger für die Errichtung eines nachhaltigen Nahwärmenetzes in ihrem Dorf. Mit viel ehrenamtlichem Arbeitsaufwand und vielfältiger Öffentlichkeitsarbeit sei dafür geworben und seien unterschiedliche Machbarkeitsszenarien entwickelt worden. Das Klimamanagement der Stadt Nidda habe die Initiativen immer positiv unterstützt. "Zwischen 2017 und 2019 wurde die Idee mithilfe der Ovag als potenzieller Entwickler und Betreiber genau untersucht und in einer Projektierung sogar schon konkretisiert. Alle Haushalte wurden dazu befragt", äußert sich Fraktionsvorsitzender Marcus Stadler. Das Projekt sei dann aber Ende 2019 aus rein wirtschaftlichen Betrachtungen der Ovag heraus auf Eis gelegt worden. Der zuletzt getätigte Versuch mit einem weiteren auswärtigen privatwirtschaftlichen Projektentwickler sei letztlich im Sande verlaufen.

Vor dem Hintergrund, dass es den Kommunen nach der jüngsten Änderung der Hessischen Gemeindeordnung nunmehr möglich sei, den Betrieb im Bereich der Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien selbst zu übernehmen, soll das bereits weit gediehene Projekt überprüft werden. Stadler weist in seinem Antrag nochmals auf die Förderungen des Bundes und Landes zum Klimaschutz hin. Beginn der Sitzung ist um 20 Uhr.

Keine Windräder nordöstlich von Ranstadt. Wie der Projektentwickler ABO Wind in einer Pressemitteilung erklärte, hat er seine Planungen hierzu eingestellt.

KA / 10.04.2018

RANSTADT - Ein geplanter Windpark in Ranstadt wird nun doch nicht gebaut. Der Wiesbadener Projektentwickler ABO Wind beendet seine Planungen und zieht seinen Genehmigungsantrag beim Regierungspräsidium Darmstadt zurück, wie das Unternehmen nun in einer Pressemitteilung erklärt. ABO Wind hatte nordöstlich von Ranstadt einen Windpark mit fünf Windenergieanlagen des Typs Nordex N131 mit einer Nennleistung von je 3,3 Megawatt geplant.

Das Unternehmen habe die Entscheidung aufgrund neuer Entwicklungen getroffen: Zum einen habe ein zusätzliches artenschutzfachliches Gutachten ein höheres Konfliktpotenzial mit dem Rotmilan gezeigt, als die ursprünglichen Gutachten festgestellt hatten. Das Regierungspräsidium hatte die zusätzlichen Untersuchungen nach der Bearbeitung des Genehmigungsantrags angefordert. "Im Sommer 2017 hat unser Gutachter das Planungsgebiet noch einmal untersucht und deutlich mehr Flugbewegungen des Rotmilans festgestellt als zuvor. Auch bislang unbewohnte Horste waren nun wieder besetzt", erklärt Projektleiter Lars Oelker. Zum anderen liegen drei der fünf geplanten Anlagen in der Nähe des Sonderlandeplatzes Nidda. Obwohl zwei Gutachten kein Gefährdungspotenzial feststellen konnten, erklärte das Regierungspräsidium die betroffenen Anlagen für nicht genehmigungsfähig.

"Wir bedauern, dass wir den Windpark Ranstadt unter diesen Bedingungen nicht mehr umsetzen können", sagt Oelker. Das Gebiet ist im aktuellen Entwurf des Teilplans Erneuerbare Energien des Regionalplans Südhessen als Vorrangfläche für die Windenergienutzung enthalten. "Daher finden wir es besonders schade, dass sich hier kein Windkraftprojekt realisieren lässt", ergänzt Oelker. "Die Klimaziele der Landesregierung lassen sich nur umsetzen, wenn auf den ausgewiesenen Flächen die Windenergienutzung auch möglich ist."

Hessen will bis 2020 mindestens 20 Prozent und im Jahr 2050 100 Prozent des Energieverbrauchs aus erneuerbaren Energien beziehen. Zwei Prozent der hessischen Landesfläche sollen für die Windkraft zur Verfügung stehen. Die geplanten Anlagen in Ranstadt hätten jährlich rund 40 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom produziert, so viel verbrauchen rund 33 000 Menschen in ihren Häusern und Wohnungen. Die Windkraftanlagen hätten den Ausstoß von 30 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermieden, so das Unternehmen.

Auf der Website www.windparkplanung-ranstadt.de informiert ABO Wind noch einige Wochen lang über die nun eingestellten Planungen.

Scharfe Kritik an grünem Licht

KA / 22.12.

Schutzgemeinschaft kritisiert Ovag-Wasserampel / „Kein Maßstab für Grundwasserverbrauch“ / Reduzierung des Exports gefordert

SCHOTTEN (red). Die Ankündigung der Ovag, ab 2021 eine „Wasserampel“ einzuführen, wird von der Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) und der Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“ kritisiert. „Angeblich soll die aktuelle Ampelfarbe den Ovag-Kunden signalisieren können, ob in den jeweiligen drei Folgemonaten genügend Grundwasser für einen schrankenlosen Verbrauch zur Verfügung stehen wird. Wer in diesen Zeiten einer katastrophal abnehmenden Grundwasserneubildung eine selbstkonstruierte Verfügbarkeitsampel auf Grün stellt, gefährdet grob fahrlässig die Grundwasservorräte“, meint die SGV-Vorsitzende Cécile Hahn (Schotten).

Mit der Einführung der Wasserampel erhielten die Kommunen ein Informationssystem, das es ihnen ermögliche, frühzeitig ihre Bürger zur verantwortungsvollen Trinkwassernutzung zu bewegen, hatte Ovag-Vorstandsvorsitzender Joachim Arnold bei der Ankündigung der Ampel argumentiert (der Kreis-Anzeiger berichtete).

Für die SGV-Vorsitzende Hahn würden dagegen die Verbraucher die Ampel mit großer Sicherheit „mit einer freien Fahrt für eine ungehemmte Wasserverschwendung“ verbinden. So zum Beispiel auch jene, die in Frankfurt das Vogelsberg- und Burgwaldwasser sogar in extremen Trockenperioden für die Grünbewässerung missbrauchten. „Eine solch grüne Ampel darf es daher keinesfalls geben“, betont Hahn in einer Pressemitteilung der Schutzgemeinschaft. Ganz im Gegenteil müsse so viel wie möglich Grundwasser im Boden gelassen und dort bevorratet werden. Darin seien sich die beiden Umweltverbände mit Wissenschaftlern des Potsdam-Klima-Instituts einig.

Auf ausreichend Regen oder Schnee zu hoffen, sei in Zeiten des Klimawandels schlicht naiv. Nötig seien neue Strukturen in der Wasserversorgung, um das notwendige Einsparen von Trinkwasser in die Wege zu leiten. Auch in Hessen sei es eine hoheitliche Aufgabe der Behörden, über das Grundwasser, die Grundlage der Daseinsvorsorge für Mensch und Natur, zu wachen. Es stehe der Ovag nicht zu, über eine ausreichende Grundwasserverfügbarkeit zu bestimmen, formuliert die Schutzgemeinschaft. Schon gar nicht als ein Unternehmen, das mit dem Wasserhandel Geld verdient. „Es ist uns völlig unverständlich, dass die Regierungspräsidien der Ovag nicht schon längst klargemacht haben, dass die betriebseigene Wasserampel auf keinen Fall ein Maßstab für den Verbrauch von Grundwasser sein kann,“ so Cécile Hahn weiter. Angesichts der letzten Trockenjahre müssten die Behörden die Kommunen sehr viel konsequenter als bisher dazu anhalten, dauernd weniger Fernwasser zu verbrauchen.

Die Schutzgemeinschaft und die AG Burgwald hegen auch den Verdacht, dass die Ovag versuchen werde, die Ampel so oft wie nur irgend möglich auf Grün und möglichst nicht auf Rot zu stellen. Das wäre ganz im Sinne des Rhein-Main-Gebietes, wo 500 000 Menschen neu angesiedelt werden sollen. „Damit sollen wohl in den Gewinnungsgebieten die berechtigten Sorgen um die Grundwasservorräte beschwichtigt und der Wasserverkauf hochgehalten werden“, sagt Dr. Anne Archinal, Vorsitzende der AG „Rettet den Burgwald“.

Arnold verweist dagegen auf die Auflagen der Wasserrechtsbescheide des Landes, die die einzuhaltenden Grundwasserstände und die Erhaltung von Vernässungsflächen regelten. „Dadurch sind unseren Wasserlieferungsmöglichkeiten Grenzen gesetzt“, betonte der Ovag-Vorstand unlängst.

Der aktuelle Konflikt um die Ovag-Wasserampel müsste eigentlich gar nicht sein, geben sich die beiden Vorsitzenden Hahn und Archinal überzeugt. Um Wassernotstände und Wassermangel im Naturraum dauerhaft zu vermeiden, müsse die Ovag lediglich den Export von heimischem Grundwasser nach Rhein-Main entsprechend reduzieren und auf Teile der Verkaufsgewinne verzichten. Im Gegenzug könnte Frankfurt seine Eigenversorgung erheblich steigern. Das sei ohne Weiteres möglich, da der Ballungsraum durch den Import von Vogelsberg- und Burgwaldwasser lukrative Einnahmen erziele.

Für die Ovag wäre es relativ einfach, ein konsequentes Sparprogramm für eine rationelle Wasserverwendung aufzulegen. Solche Maßnahmen habe sie in der Vergangenheit sogar finanziell gefördert. Die SGV und die AG Burgwald hätten der Ovag schon mehrfach eine entsprechende fachliche Zusammenarbeit angeboten. Doch Vorstand Joachim Arnold habe eine solche Kooperation als „nicht erwünscht“ zurückgewiesen, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Foto: Weil/Artchiv