Von wegen preiswerte Energie!
Neue Gaskraftwerke
Die Bundesregierung und die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) setzen bei der Versorgungssicherheit und günstiger Energie auf neue Gaskraftwerke. Eine neue Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Ökostromanbieters Green Planet Energy kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis: Strom aus neuen Gaskraftwerken könnte teurer sein als häufig angenommen.
Für die erste Berechnung haben sich die Studienautoren die Stromgestehungskosten angeschaut. Dieser Wert beinhaltet neben den Kosten für die Erzeugung einer Kilowattstunde (kWh) Strom auch die Kosten für den Bau des Gaskraftwerkes, dessen Betrieb und den späteren Abriss. Demnach liegen die Kosten je nach CO2-Preis zwischen 23 und 28 Cent/kWh. Werden jedoch zusätzliche gesellschaftliche Kosten berücksichtigt, könnten die Gesamtkosten auf bis zu 67 Cent pro Kilowattstunde steigen. Zu den gesellschaftlichen Kosten zählen unter anderem Klimaschäden durch Treibhausgasemissionen, staatliche Förderungen oder wirtschaftliche Risiken durch Energiekrisen.
Zum Vergleich: Strom aus neuen Wind- und Solaranlagen kostet nach Angaben der Studie weniger als 10 Cent/kWh.
Neben diesen hohen Kosten spricht laut der Studie noch ein weiterer Faktor gegen Strom aus Erdgas: die starke Abhängigkeit von internationalen Energiemärkten. Steigende Gaspreise infolge geopolitischer Konflikte – so wie aktuell der Iran-Krieg – können sich auch negativ auf die Stromkosten auswirken.
Gaskraftwerke als Back-up sind nicht alternativlos. Große Stromspeicher, Bioenergie und grünen Wasserstoff. Diese Back-up-Lösungen sind zwar nicht wesentlich günstiger, oft sogar ähnlich teuer. Ihr Vorteil: Sie sind nachhaltig und auch bei geopolitischen Lagen deutlich sicherer.
Auch im Heizungskeller weiter mit Gas oder Öl?
Wenn es nach dem geplanten neuen Gebäudemodernisierungsgesetz geht, soll auch weiterhin Gas oder Öl zum heizen genutzt werden können, mit einer Beimischung von Biobrennstoffen.
Im letzten Newsletter 2026/02 haben wir uns dazu schon positioniert.
Heute wollen wir nur ein Aspekt herausgreifen: die erwartbaren Preise und Verfügbarkeiten für grüne Gase. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verwies kürzlich im „Bericht aus Berlin“ beispielhaft auf vereinzelte Biogastarife, die aktuell angeblich günstiger seien als herkömmliche Gasverträge. Eine solche Argumentation greift sich lediglich statistische Ausreißer heraus, um strukturelle Preiswarnungen zu entkräften.
Eine umfassende Analyse der Deutschen Energie-Agentur (dena) aus dem Jahr 2024 zeigt ein völlig anderes Bild der Marktlage. Demnach war Biomethan in einem gesetzeskonformen Gemisch preislich deutlich teurer als fossiles Erdgas. Für ein gewöhnliches Einfamilienhaus bedeutete eine 65-prozentige Beimischung nach damaligen Preisen Mehrkosten von bis zu 1.150 Euro jährlich.
Zudem ist die generelle Verfügbarkeit von Biogas stark begrenzt. Deutschland produzierte laut der dena im Jahr 2023 rund 10,4 Terawattstunden Biomethan. Der zusätzliche Bedarf für den Gebäudesektor könnte jedoch bei entsprechenden Beimischungsquoten bis 2040 auf fast 45 Terawattstunden ansteigen. Auch das Bundesbauministerium wies bereits in Kurzberichten darauf hin, dass die künftigen Betriebskosten von Gasheizungen mit Biomethan oder gar Wasserstoff voraussichtlich hoch und sehr unsicher ausfallen werden.
