Übergangstechnologie Windenergie?
Dass Windenergie nur eine Übergangstechnologie sei, behauptete CDU-Spitzenkandidat Friedrich Merz: "Wenn wir alles richtig machen, können wir die Windräder irgendwann wieder abbauen - sie sind hässlich und passen nicht in die Landschaft."
Diese auch von der AfD geäußerte Darstellung ist aus Sicht von Experten jedoch eine mehr als gewagte Aussage. So sagt Max Kleinebrahm, Forschungsgruppenleiter am Lehrstuhl für Energiewirtschaft des Karlsruher Instituts für Technologie "Windkraft gehört zu den zentralen Säulen vieler Energiestrategien weltweit, um CO2-Emissionen zu senken. Sie wird in den meisten Zukunftsszenarien nicht als reine 'Brückentechnologie' gesehen, sondern als dauerhafter, zentraler Bestandteil einer diversifizierten erneuerbaren Stromerzeugung".
Merz stellt Kernfusion als nächsten großen Schritt dar, allerdings existiert bis heute kein Fusionskraftwerk, das kommerziell Strom ins Netz liefert. Hierzu äußert sich z.B. Martin Braun, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE, dass noch nicht abzusehen ist, ob und wann sie wirklich zur Verfügung stehen wird. "Auf jeden Fall ist es keine Lösung für die Probleme, die wir heute schon haben."
Rückbau aus mehreren Gründen nicht sinnvoll
Ein Rückbau von Windkraftanlagen, wie auch AfD-Politiker es forderten, ergibt nicht nur aus klimatechnischer Sicht, sondern auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht wenig Sinn.
Denn funktionierende Windkraftanlagen produzierten nicht nur emissionsarmen Strom, sondern auch günstigen.
Die Stromgestehungskosten* von Onshore-Windenergieanlagen, die im Jahr 2024 errichtet wurden, liegen in Deutschland laut Fraunhofer ISE zwischen vier und neun Cent pro Kilowattstunde (kWh), was sie zu einer der kostengünstigsten Technologien macht. Offshore-Windkraftanlagen sind etwas teurer, mit Kosten zwischen fünf und zehn Cent/kWh.
Zum Vergleich: Die Stromgestehungskosten von Photovoltaikanlagen liegen demnach bei vier bis 14 Cent/kWh, bei Gaskraftwerken elf bis 16 Cent/kWh, bei Kohlekraftwerken 14 bis 29 Cent/kWh und bei Kernkraftwerken bei 14 bis 49 Cent/kWh.
Laut Martin Braun schadet diese Diskussion dem Standort Deutschland, denn sie führe zu Unsicherheit bei möglichen Investoren, da die Planungssicherheit nicht gewährleistet sei.
Dabei müssten noch viele Windkraftanlagen gebaut werden, um die Ziele des Windenergieflächenbedarfsgesetz zu erreichen. Denn bis 2032 sollen zwei Prozent der Fläche Deutschlands für Windenergie genutzt werden.
*Nicht alle Kosten, die rund um die Stromproduktion anfallen, werden bei den Stromgestehungskosten berücksichtigt. So werden beispielsweise die Kosten, die mit der Deckung der Nachfrage und der Bereitstellung von nutzbarem Strom verbunden sind oder auch die Kosten für Endlagerung und Rückbau nicht einberechnet.
